es bleibt ja kompliziert #6: Disruptiv und populär
Die männliche Jugendkultur ist regressiv“, sage ich zu meinem Vater in einer Unterhaltung neulich. Er ist schockiert. Ich kann das kaum nachvollziehen, so sehr ist mir dieser Gedanke selbstverständlich geworden. Aber der Befund ist schrecklich. Ich möchte hier keine Namen nennen, die exemplarisch für diese Tendenz stehen. Sie haben genug Bühnen. Der Trend aber geht immer mehr zur Hassrede gegen Frauen, gegen Queers, gegen deviante Lebensstile. Zudem mangelt es offensichtlich an progressiven Vorbildern für junge Männer.
Die „Krise der Männlichkeit“ verläuft nicht still, sondern mit immer lauter werdenden Eskalationen. Jeder Feminizid ist schrecklich und leider nur die Spitze des Eisbergs. Insbesondere berichten Frauen* von Dates oder Begegnungen, bei denen ihnen junge Männer häufig unangenehm sind. Hinzu kommt jemand wie der „feminist fuckboy“, ein vermeintlich progressiver, egalitär gesinnter Mann, der auf Dating-Apps den Feminismus als „unique selling point“ erkannt hat. So wird bewusst im Café feministische Literatur gelesen, aufreizend Nagellack getragen, sonst ändert sich nichts. Glücklicherweise ist dieser Trick inzwischen längst entlarvt worden.
Simon Bozic
Jahrgang 2000, ist Mitarbeiter des taz Verlags und studiert Medienwissenschaft in Potsdam.
Andere junge Männer hören rechte Podcasts, trollen und beleidigen antifeministisch. Sie unternehmen keinen Versuch, ihre Verachtung zu verstecken. Diese Männer müssen wir in die Pflicht nehmen. Es braucht klare, feministische Ansagen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Dann kann bei progressiven Männern auch etwas anderes entstehen als ein reiner Negativismus der Abgrenzung à la „Ich möchte es nicht so machen wie mein Vater und Großvater“. Oder die vergiftete Alternative, aus Feminismus sexuelles Kapital zu schlagen. Simon Bozic
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