druck🐾schluss:
Von Beilagen und dem Sale e Tabbachi
Die druckschluss-Kolumnen hier erinnern wehmütig an den Weg allen Fleisches: an das Verschwinden der materiellen taz werktags ins Virtuelle. Früher produzierte ich ab und an mit dem Layout taz-Beilagen – an der Redaktion vorbei und zu reinen Druckkosten von zum Schluss rund 3.000 Euro.
Meine letzte Beilage entstand in den Nullerjahren zusammen mit der Schülerzeitung des Berliner Rheingau-Gymnasiums: Weil Schüler für die Wirtschaft als Kunden in spe interessanter sind als taz-Leser, die eher für Nullwachstum plädieren, sammelten wir bei der Anzeigenakquise rasch 6.000 Euro ein. Dazu arbeiteten wir gratis. Das machte der damaligen Geschäftsführung wohl ein so schlechtes Gewissen, dass wir fünf Produzierenden im legendären Lokal Sale e Tabacchi, neben der alten taz, glatte 1.000 Euro nach Produktionsschluss verprassen konnten.
Druckschluss
Unter diesem Motto schreiben wir in Reportagen und einer Kolumne auf, was uns bis zum Ende der gedruckten Werktagstaz erinnernswert scheint. Viel Holz also noch bis zum 17. Oktober. Alle Zukunftsinfos unter taz.de/seitenwende.
Kürzlich wollte ich wieder eine taz-Beilage machen: „Die kleine Tierfreundin“ – denn mit Jungs ist heute wenig anzufangen, erst recht nicht, wenn es um Freundschaften mit Tieren geht. Inzwischen lassen sich taz-Beilagen nicht mehr so leicht realisieren – sie sind teurer und stärker reglementiert. Also wich ich mit „Die kleine Tierfreundin“ auf die Neue Berliner Illustrierte Zeitung des Künstlers Johannes Beck aus, eine Straßenzeitung. Dort kostete die Produktion nur 250 Euro – fast ein Geschenk.
Helmut Höge schreibt seit 1980 für die taz und ist auf der Wahrheit in der 223. Folge seiner Tierwelt.
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