die wahrheit

Luftballon der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Mit Gutscheinen ins Restaurant.

Die Entfernung zwischen der Première Dame und ihrem kleinen Nici wächst von Woche zu Woche. Bild: reuters

Mon cher journal intime …

Nicht einmal in meinem eigenen Haus bin ich vor den staatlichen Erbsenzählern sicher. Kam vorhin doch irgendein Trottel aus Nicis Präsidialadministration vorbei, um mich zu bitten, weniger Geld auszugeben. Ich würde zu viel Staatsmittel zu Zwecken verwenden, deren repräsentativer Nutzen "fragwürdig" sei. Zu viele CDs kaufen, zu häufig zum Zahnarzt gehen, zu viel Katzenstreu kaufen. Außerdem hätten meine Ausgaben für Kleidung und Kosmetik das Quartalsbudget bereits um sechs Prozent überschritten!

Liebes Tagebuch, ich muss ja wohl nicht sagen, dass ich mal ganz gepflegt die Fasson verloren habe. Ich habe dem Knödelpupser deutlich, also lauthals zu verstehen gegeben, dass ich das wohl kaum freiwillig mache, sondern nur deshalb, um diesem Wicht, der sein Vorgesetzter ist, ein wenig Gewicht zu verleihen. Im Übrigen weiß ich gar nicht, warum die sich so aufregen, die alte Schachtel Pompidou hat damals mit ihrem Couture-Fimmel das Fünffache ausgegeben, und Sarah Palin hat sich für 150.000 Parteikassen-Dollar ihr Outfit aufpoliert. Wobei: 10.000 Dollar für den Friseur in zwei Wochen? Das kommt selbst mir mit meinen fusseligen Problemhaaren ein wenig übertrieben vor. Was hat der gemacht? Ihr auch gleich das Schamhaar geplättet?

Nichts als Ärger im Moment. Und nicht genug, dass ich mir beim Umsortieren der Goldbarren einen Fingernagel abgebrochen habe. Ich habe nämlich einen Teil der Barren in mein Haus schaffen lassen, falls die Zeiten härter werden. Jetzt fängt auch noch Raphael (Vater ihres Sohnes Aurélien, Anm. d. Red.) Ärger wegen des schnöden Mammons an. Er hat sich furchtbar aufgeregt, dass ich es Aurélien erlaubt habe, alles Spielzeug, das er schon einmal benutzt hat, wegzuwerfen und übers Internet neues zu bestellen. Er findet das maßlos und labert irgendwas von Werten. Philosoph eben. Ich weiß auch gar nicht, warum wir so aneinander geraten sind. Schließlich ist das mit den Werten auch mein Thema. Ich möchte, dass unser Sohn weiß, dass wir reich sind. Aurélien soll lernen, dass Geld keine Rolle spielt.

Als ich das gesagt habe, ist Raphael vollends ausgerastet und hat gemeint, seitdem ich mit Präsident Bling-Bling zusammen bin, hätte ich eine Vollklatsche.

By the way Bling Bling. Das Video "Le King of Bling Bling", das auf YouTube läuft, finde ich sehr gelungen, auch wenn es Nici mal wieder zum Affen macht. Zu dumm, dass niemandem so etwas eingefallen ist, als mein Album herauskam. Bestimmt hätte ich 300 Stück mehr verkauft.

Dati, die alte Schlange wird immer fetter (Rachida Dati, die Justizministerin, Anm. d. Red.) Bisher war sie im Gegensatz zu mir ja immer sehr stilsicher. Aber die Hormone scheinen ihr arg zuzusetzen und für schlimme Geschmacksverwirrungen zu sorgen. Man weiß nicht, was grotesker ist, ihre Leibesfülle oder die Fummel, die sie jetzt trägt. Gestern sah sie aus, als käme ihr das Kind gleich zum Hintern raus.

Freitag, 31. 10., abends

Nici merkt wohl auch, dass unserer Ehe einem Luftballon gleicht, der seit Wochen in der Ecke liegt. Ein lappiges Ding, dem die Luft ausgeht. So kam er heute Abend, sagte, ich solle mich schick anziehen, er lade mich zum Essen ein. Der Abend war in der Tat recht schön. Nici hatte bei Flaubert einen Tisch bestellt, und es gab mein Lieblingsgericht, Wachtelragout mit Rosmarin. Tatsächlich waren wir lang nicht mehr so unbeschwert, hatte unsere Begegnung ewig nicht mehr eine solche Leichtigkeit. Nici war charmant und hat sich fast so gegeben, als wolle er mich erobern. Das habe ich ja immer gern. Ich hatte mir schon fast vorstellen können, Sex zu haben, wenn wir nach Hause kämen. Aber als es ans Bezahlen ging, zerplatzte der Zauber wie ein gut gefüllter Luftballon. Nici zog Gutscheine aus der Tasche, die er im Radio gewonnen hatte. Er hatte mit verstellter Stimme angerufen und konnte - wen wunderts - die Namen seiner Exfrauen und alle leiblichen und unehelichen Kinder dieser Beziehungen nennen.

Bereits da hätte ich im Boden versinken können! Aber nicht genug der Schmach! Die Gutscheine waren im September abgelaufen! Natürlich hat Nici nicht peinlich berührt seine Kreditkarte gezückt und schnell und leise gezahlt. Nein, der kleine Mann hat einen Riesenaufstand gemacht, weil er meinte, dies sei eine ungeheure Schweinerei. Es sei juristisch gesehen nicht statthaft, einen Gutschein einzuschränken. Folglich sei die zeitliche Bindung nicht von Belang und so weigere er sich, zu zahlen.

Erst als der Geschäftsführer mit leiser Stimme Nici darauf hingewiesen hat, dass er selbst es war, der als Innenminister auf eine Änderung des Gesetzes gedrungen habe, wurde er ruhig und hat widerwillig gezahlt. Natürlich habe ich auf der Rückfahrt kein Wort mit ihm geredet.

Wenn nicht bald etwas passiert, liebes Tagebuch, gebe ich unserer Beziehung noch drei Wochen. Ich merke schon jetzt, dass Nicolas immer mehr zu einem kleinen Ruderboot wird, dessen Tau sich aus dem Ring an der Kaimauer löst, um aufs offene Meer zu treiben. Ich werde es nicht aufhalten. SILKE BURMESTER

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Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Bei Spiegel Wissen trägt Ihre Kolumne den schönen Titel „Frau Burmester hat einen Termin“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. fürs Manager Magazin, Brigitte Woman und Reisemagazine. Sie gibt Schreibseminare und ja, sie macht auch PR. Bei Kiepenheuer und Witsch ist ihr Pamphlet gegen die Hysterie der Medien „Beruhigt Euch“ ebenso erschienen, wie „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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