die wahrheit

Smaragd der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: ein abgebrochener Eckzahn.

Nach Wochen voller Probleme kommen sich die Première Dame und ihr kleiner Nici wieder näher. Bild: reuters

Mon cher journal intime …

Montag, 10. 11. 2008

Ach, liebes Tagebuch, was soll ich dir sagen, Nici und ich sind uns wieder etwas näher gekommen. Doll war es nicht, das Wochenende, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Drei Mal haben wir miteinander geschlafen, zwei mal ohne Vorher-Rausziehen. Das war dann auch für mich mal ganz schön. Außerdem haben wir es Samstagmorgen geschafft, gemeinsam zum Autohaus zu fahren und einen neuen Wagen für mich auszusuchen. Einen Aston Martin DBS. Der ist wirklich schick, und ich kann mir auch sicher sein, dass Nici nicht wieder auf die Idee kommt, sich meinen Wagen auszuleihen und eine Beule reinzufahren, wie bei meinem letzten. Das ist zwar eine ziemliche Sportschleuder - trotzdem ist im Fond so viel Raum, dass Nici nur im Stehen die Pedale bedienen könnte, und dafür ist das Dach nicht hoch genug.

Samstagabend dann sind wir Essen gegangen, wie üblich im Thiou. Leider hat Nici die ganze Zeit gegähnt, weil ihn die ganzen Gipfeltreffen wegen der Finanzkrise doch sehr anstrengen. Er hat dann auch wieder das leidige Thema meines Ehrenamtes angesprochen und das hat mir ziemlich die Laune verhagelt.

In drei Tagen, am 14., haben wir Jahrestag. Ein Jahr Liebe gegen alle Widerstände. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich als Überraschung für Nici ein Feuerwerk entfachen lasse, das "Nici & Carla" in den Himmel zeichnet, oder ob ich mir was stechen lasse: "Nici for ever" zum Beispiel. Dann wäre aber der ganze Bauch verschandelt, und wenn ich doch noch ein Kind bekäme, sähe das etwas doof aus, wenn die Schrift sich dann wie auf einem Luftballon aufbläht.

Dienstag, 11. 11. 2008

Nici und ich wollen jetzt häufiger Dinge gemeinsam tun. Wegen uns beiden. Heute waren wir Kranzniederlegen, zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Kranzniederlegen hatte ich ja noch nicht. Ist auch nicht so mein Ding. Zu viele alte Leute, zu viel Fanfarengedöns.

Apropos Fanfaren: Wenn wir wirklich eine Dressur-Reit-Nummer beim Zirkusfest in Monte Carlo aufführen wollen, müssten wir langsam mal mit dem Üben beginnen. Reiten kann ich ja ganz gut. Aber auf nur einem Bein, das habe ich noch nie gemacht. Und Nici ist nicht so gut mit der Peitsche. Er kann ja überhaupt gar keinen Takt halten, und so fällt es ihm wahnsinnig schwer, im rechten Moment zu schnalzen. Da kommt der trägste Ackergaul aus dem Rhythmus.

Mittwoch, 12. 11. 2008

Ich bin total mit den Nerven am Ende. Weiß nicht mehr, wer ich bin, verliere meine Identität! Meine Wachsfigur ist fertig. Die Zeitungen berichten schon davon. Neben dem Artikel im Figaro war ein Foto von mir, und nun, liebes Tagebuch, stell dir vor: Ich kann nicht sagen, ob es die Wachsfigur zeigt oder mich! Ich habe Maman angerufen und wollte von ihr wissen, wer das ist. Aber natürlich war meine Mutter auch keine Hilfe. Sie hatte die Seite schon in die Voliere gelegt, und als wäre es Absicht, hat ihr Papagei, das alte Mistvieh, mir direkt ins Gesicht gekackt.

Habe Nici heute Nachmittag eine SMS geschickt und gefragt, ob wir an unserem Jahrestag etwas Besonderes machen wollen. Ich hab gedacht, ich frag mal lieber, bevor er es vergisst und ich wieder aus der Haut fahren muss. Ich hatte ihm neulich schon von dem schönen Traum erzählt, den ich hatte. Als wir in einer Fernsehsendung saßen, der "Carla & Nici in Love"-Show, und all die Menschen kamen, um unserer Liebe zu huldigen. Aber das ist immerhin schon ein paar Wochen her, und nicht nur, dass Nici ein Präsident ist, ein Weltenlenker, der sehr viel um die Ohren hat, er ist vor allem auch ein Mann. Da kann man solche Dinge nicht oft genug sagen.

Samstag, 15. 11. 2008

Habe für Nici das Feuerwerk abgeschossen. Es war sehr romantisch: "Nici und Carla forever". Nici hatte auch eine Überraschung. Er hat einen Ring in ein herzförmiges Madeleine-Küchlein einbacken lassen. Dummerweise habe ich voll auf den Smaragd gebissen und mir ein Stück vom Eckzahn abgebrochen. Ich habe versucht, nicht sauer zu sein. Er hat es ja lieb gemeint.

Montag, 17. 11. 2008

Ich weiß jetzt wieder, liebes Tagebuch, dass unsere Liebe eine Chance hat. Nicht nur, dass ich in dieser Woche meiner Eintragungen nicht einen anderen Mann erwähnt habe, Nici hat mir auch einmal mehr gezeigt, wie sehr ich die Richtige bin. Gestern Abend kam er sehr spät vom G-20-Treffen aus Washington zurück. Das wichtigste Treffen der Welt, in diesen schweren Zeiten. Und er mittendrin: ein Kämpfer, ein Eroberer. Und am Ende seiner Kraft. Blass. Ausgelaugt vom schlechten amerikanischen Essen, von der Klimaanlage, der Dauerbeschallung und der ewigen Anstrengung, Europa eine Stimme zu geben. Da lässt er sich neben mich aufs orientalische Kissen fallen, kuschelt sich in meine Achselhöhle und sagt: "Bei dir kann ich endlich mal klein sein!"

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Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Bei Spiegel Wissen trägt Ihre Kolumne den schönen Titel „Frau Burmester hat einen Termin“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. fürs Manager Magazin, Brigitte Woman und Reisemagazine. Sie gibt Schreibseminare und ja, sie macht auch PR. Bei Kiepenheuer und Witsch ist ihr Pamphlet gegen die Hysterie der Medien „Beruhigt Euch“ ebenso erschienen, wie „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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