die wahrheit

Handschrift der Liebe

Das geheime Tagebuch der Carla Bruni. Heute: Vorbereitungen für den Hochzeitstag.

Heimlich und maskiert nahmen die Première Dame und der kleine Nicki an einer Demonstration teil. Bild: reuters

Mon cher journal intime …

Montag, 26. 1. 2009

Nächste Woche sind wir ein Jahr lang verheiratet. Meine Güte, 365 Tage! Die schöne Zeit! Nun ja, nur schlecht war es ja auch nicht. Und ich finde Nici ja auch immer noch sexy. Meinen Rangeher. Meine kleine Rennmaus. Aber das Gesamtkonstrukt macht mir doch zu schaffen. Diese Ehe, ich sagte es schon, ist einfach nichts für mich. Ab und zu mal ein kleiner Zwischengang und ich würde gar nicht meckern. Aber so - so ist das wie jeden Tag das Gleiche essen. Jeden Tag Strammer Max. Obschon ich Nici die Facetten seiner Egozentrik zugutehalten muss. Also ist es eher wie jeden Tag Paella. Aber es bleibt dabei, dass man immer das Gleiche aufgetischt bekommt. Das ist so öde wie die Slow-Food-Bewegung. Bei der soll man auch nur essen, was aus der Region kommt.

Auf jeden Fall wollen wir an diesem wunderbaren Tag nicht nur an uns denken, sondern auch was schenken. Wir haben nämlich festgestellt, dass die ganze Heiratsarie ja nur wegen des Publikums überhaupt so toll ist. Von uns aus wäre eine Heirat nicht nötig gewesen. So aber haben wir im vergangenen Jahr ganz schön auf die Kacke hauen können und uns einen Glanz verpassen lassen, den wir sonst nie erreicht hätten - als Paar und in der Einzeldarbietung.

Ich hatte vorgeschlagen, den Tageszeitungen eine Art Dankesbrief mit einem Foto von uns beizulegen, aber Nici meinte, das funktioniere nicht, weil kaum ein Franzose Zeitung lese. Sogar sein Vorschlag von Gratis-Abos für 18-Jährige sei mangels Interesses gescheitert.

Nici, dem ja selten was Originelles einfällt, hatte dann aber wirklich eine tolle Idee: Er hat erlassen, dass am 2. Februar 2009 keine Scheidungen ausgesprochen werden dürfen. "Moment mal - Liebe lohnt!" heißt die Aktion, und sie soll die Menschen anregen, innezuhalten und noch einmal darüber nachzudenken, ob sie nicht doch lieber zusammenbleiben wollen. So wie wir. Eine Liebe gegen alle Widerstände.

Und für alle die, die sich eh nicht scheiden lassen wollen, lassen wir als Überraschung landesweit Dauerlutscher verteilen. Die Frauen bekommen welche mit einem Nici-Foto drauf und die Männer welche mit meinem Bild. Aber nur der Kopf. "Lollis of Love". Da hat jeder was davon.

Dienstag, 27. 1. 2009

Ich glaube wirklich, Eric (Clapton, Anm. der Red.) ist auf und davon. Wir haben nichts mehr von ihm gesehen und gehört, seit er im Heizungskeller war. Einen einzigen Schuh hat man im Treppenaufgang gefunden. Ich wünsche es mir wirklich. Die Vorstellung, dass der hier irgendwo im Palast rumgeistert, macht mir Angst.

Mittwoch, 28. 1. 2009

Nicis Geburtstag war ganz schön. Er hat sich wahnsinnig über Hoppetosses Sattel und den Anzug mit den Glühlämpchen gefreut. Seine Mutter, die alte Schnepfe, musste natürlich wieder versuchen, mich auszustechen. Sie hat Nici einen Brief von de Gaulle geschenkt, Nici sammelt ja seit letztem Jahr historische Briefe, was ich, ehrlich gesagt, ein bisschen panne finde. Es hat so was Anbiederndes, aber egal. Ich sammle Regenten, er ihre Handschriften, soll er doch. Also auf jeden Fall ist Mutter Sarko mit dem bröseligen Pergament aufgekreuzt. Aber so leicht lass ich mich nicht von der Spitzenposition verdrängen. Ich habe streuen lassen, ich hätte den Brief geschenkt. Hat super geklappt, war in allen Zeitungen.

Freitag, 30. 1. 2009

Ich bin so froh, dass ich nicht Cécilia (Sarkozys Ex-Gattin, Anm. d. Red.) bin. Nicht nur, weil ich dann schon so alt und staubig wäre, sondern wegen der Bloßstellung in der Öffentlichkeit. Ich meine, es ist das eine, sich ausrauben zu lassen. Das andere ist es, bloß Schmuck für eine halbe Mille im Schrank zu haben. Das ist ja wohl wirklich etwas peinlich. Bei mir hat allein das Collier, das Donald, das Trumpel, (Donald Trump, Anm. der Red.) mir geschenkt hat, 340.751 Dollar gekostet. Und dann so blöd zu sein, die Diebe die Klunker finden zu lassen! Wo hatte sie das Zeugs denn, unter der Matratze?!? So blöd muss man erst mal sein.

Dabei gibt es doch diese praktischen Konservendosen. Also Dosen, die aussehen wie Essensbüchsen, in denen man seine Brillis versteckt. Ravioli, Schnecken, Spargel. Also ich fühle mich total sicher. Ich hab den ganzen Safe voll davon. Blöderweise haben die Diebe den Dior-Ring, dessen Replik Nici mir später geschenkt hat, liegen gelassen. Wäre der weg, könnte ich meinen triumphierend tragen!

Freitag, nachmittags

Mist! Es gibt die ersten Presseanfragen nach Mamans sexueller Orientierung. Ich wette, der Tierheim-Heini hat geplappert. Aber was soll ich dazu sagen?!? Ich bin ja nicht dabei, wenn sie die Dosen klappern lässt. Soll sie mal schön allein zusehen, wie sie die Presse loswird. Ich bin nur froh, dass die Lage momentan ruhig ist. Ein "Lesbensex im Elysée, während der Präsident an der Bildung spart"-Skandal wäre das Letzte, das ich brauche. Ich habe mich so verausgabt in der letzten Zeit, damit der Palast gut dasteht, dass es mehr als gerecht ist, wenn ich mal wieder nur an mich denke.

Samstag, 31. 1. 2009

Ich bin überfällig! Ü-B-E-R-fällig. Ü-, Ü-, Überfällig! O, ich liebe dieses Wort! Aber ich werde Nici noch nichts davon erzählen. Ich will ihn ü-ü-überraschen! Hoffentlich hält es bis Montag zum Hochzeitstag.

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