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die ortsbegehungKnall! Wumms! Klatsch!

Das Bud Spencer Museum Berlin muss schließen. Es rechnet sich nicht mehr. Ein letzter Rundgang durch die Ausstellung, die Spencer und seinen Filmpartner Terence Hill würdigt

Aus Berlin Andreas Hergeth

Was passt besser als ein alter Röhren­fernseher? Auf einem kleinen Grundig-Gerät flimmern Ausschnitte aus alten Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill über den Bildschirm. Man darf die Tasten der acht Programmplätze drücken und immer gibt es eine andere Filmsequenz. Meist in miserabler Qualität, als ob hier alte VHS-Kassetten abgespielt würden, wie früher.

Willkommen im Bud Spencer Museum Berlin! Das residiert seit Juni 2021 an einer der besten Adressen im Osten Berlins: Unter den Linden, also da, wo sich die Touristenscharen tummeln. Dennoch geht dem Museum die Puste aus, die Betreiber sehen wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive für eine Fortführung, es muss schließen.

An diesen Mittwoch Ende Oktober ist erstaunlich viel los. Die Nachricht, dass das Museum zumachen muss, hat die Medien auf den Plan gerufen. „Dadurch haben wir eine enorme Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Michael Maass, CEO der Betreibergesellschaft, „was natürlich auch dem Museum hilft.“

Schon auf dem Gehsteig grüßt eine Bud-Spencer-Figur in Lebensgröße. Drinnen massenhaft Kostüme und Requisiten (ein Auto, ein Motorrad) aus Filmen, original und nachgebaut, dazu Drehbücher, Filmplakate, Fotos und persönliche Erinnerungsstücke. Überall Bildschirme mit Ausschnitten aus Spielfilmen des Duos und von TV-Auftritten, auch aus deutschen Shows.

Bud Spencer war ein Hüne. Das zeigt die riesige Ritterrüstung aus der Filmkomödie „Hector, der Ritter ohne Furcht und Tadel“ von 1975 gleich hinterm Eingang, vis-à-vis gibt es Ausschnitte zu sehen. An einer Wand hängen Filmschwerter und das entsprechende Filmplakat.

An jeder Ecke tönt es: Die Filme des schlagkräftigen Duos waren bekannt für ihre teils nervige, teils kultige Filmmusik und die Geräuscheffekte – Knall! Wumms! Klatsch! –, die ihre Schaukämpfe begleiteten. Ach, die ausufernden Schlägereien, bester Slapstick, ihr großes Markenzeichen. Immer die beiden gegen eine Übermacht von Ganoven. Zur Kunstform gereift sind diese Prügelorgien mit ihrem Wechsel zur Western­komödie (auch so ein ausgestorbenes Genre) „Die rechte und die linke Hand des Teufels“.

Comichafte Übertreibung

Trotz comichafter Übertreibung in Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ von 1971 – der Film trug in der DDR den Titel „Der Kleine und der müde Joe“ –, wirkte das Ganze immer auch authentisch, was daran lag, dass alles aufwendig choreografiert und geprobt wurde. Für eine Minute Film wurden oft mehrere Tage benötigt – über QR-Code kann man sich das in der Ausstellung erzählen lassen. Auch, dass Spencer und Hill echte Athleten waren. Deshalb mussten sie nicht gedoubelt werden.

Und dann sind da die frühen Aufnahmen: Spencer, als Carlo Pedersoli in Neapel geboren, steigt in einem Film von 1949 aus dem Wasser, er hat eine Frau vor dem Ertrinken gerettet … die schwarz-weiße Sequenz zeigt einen jungen und athletischen Mann, der sich als Schwimmer auch bei den Olympischen Spielen einen Namen gemacht hatte, bevor er ins Schauspielfach wechselte. Spencer hatte eigentlich keine Ambitionen, Schauspieler zu werden – willigte aber ein, um Schulden tilgen zu können. Der Schuldschein ist hier im Original zu sehen.

Noch ohne seinen typischen Bart

In Badehose und noch ohne seinen typischen Bart ist der große, schlanke Mann kaum zu erkennen. Na ja, an seinen Gesichts­zügen aber schon. „Das ist er!“, ruft eine Frau ihren beiden Freundinnen zu und lacht: „Der war in jungen Jahren richtig gut gebaut und hot. Und später ein richtig süßer Opa.“

In Vitrinen gibt es Zigaretten zu sehen, die Spencer in „Plattfuß am Nil“ rauchte, aber auch Filmpreise, dazu Schallplatten mit der Filmmusik, Comics und Merchandising wie Federmappen für Kinder. Und im Museumsshop gibt es Bohnen in Dosen, Gewürzmischungen, Bier, Tassen, Kalender, DVDs – immer mit dem Konterfei der beiden.

Nix wie hin

Die Besonderheit

Das Bud Spencer Museum Berlin befindet sich seit 2021 in der bei Touristen aus aller Welt beliebten Flaniermeile Unter den Linden, unweit des Brandenburger Tors. Der Standortvorteil reicht aber nicht zum Überleben.

Das Zielpublikum

Ältere Fans, die mit den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill aufgewachsen sind, und deren infiltrierter Nachwuchs. Einzeltickets kosten 15, für Kinder 8 Euro. Es gibt Familientickets für 35 Euro für jeweils zwei Erwachsene mit eigenen Kindern oder Enkeln.

Hindernisse auf dem Weg

Die Zeit: das Museum schließt zum 23. Dezember. Der Countdown läuft.

Ach, es gibt viel zu lernen über zwei Schauspieler, die Jahrzehnte lang in einem Atemzug genannt wurden. Über ihre Anfänge, die gemeinsame Karriere und was danach kam, als sich ihre Wege trennten. Beide drehten TV-Serien, meist erfolgreich. Lustig bis traurig die Werbe­spots, mit denen sich Spencer über Wasser hielt, als seine große Zeit vorbei war: Für eine Bank prügelt er sich durch die Stadt.

Hill lebt ja noch. Rührend die Szenen, die in der Ausstellung zu sehen sind, wie er auf dem alljährlichen Bud-Spencer-Festival in Cinecittà, der Filmstadt im Rom, mit vielen Künst­le­r:in­nen an seinen Buddy von einst erinnert.

Da liegt Wehmut in der Luft. Und auch, weil das Bud Spencer Museum am 23. Dezember in diesem Jahr zum letzten Mal öffnen wird.

Aber ihre Filme laufen ja immer noch in Spartenkanälen im Fernsehen, und auch in Mediatheken. Und wer will, kann sich im digitalen Zeitalter ohnehin bis in alle Ewigkeit von Bud Spencer und Terence Hill belustigen lassen. Darauf ein Halleluja.