die drei fragezeichen: „Wie können wir Frieden stabilisieren?“
Silviana Galassi, 52, stellvertretende Leiterin Evaluation beim Wissenschaftsrat
1 taz am wochenende: Frau Galassi, der Wissenschaftsrat plädiert für mehr überregionale Friedens- und Konfliktforschung. Mit was beschäftigt sich dieses Forschungsfeld?
Silviana Galassi: Vereinfacht ausgedrückt reicht es von Konflikten und Gewaltphänomenen im sozialen Nahraum, also auf dem Schulhof oder in der Hooliganszene, bis hin zu staatlichen Konflikten und Kriegen. Wodurch werden Konflikte ausgelöst, wie entwickelt sich deren Dynamik und wie eskalieren sie? Vor allem ist natürlich auch die Frage zentral, wie die Konflikte beigelegt und Frieden dauerhaft stabilisiert werden kann.
2 Wie gehen die WissenschaftlerInnen solch schwierigen Fragen auf den Grund?
In Deutschland sind qualitative Einzelfallstudien mit teilnehmender Beobachtung vor Ort sowie verschiedenen Interviews in Konfliktregionen besonders ausgeprägt. Im internationalen Vergleich dominieren allerdings quantitative Erhebungen. Dabei werden zum Beispiel Zeitungen und Twitter-Feeds ausgewertet, um anhand der Häufigkeit bestimmter Stichworte einen Eindruck davon zu bekommen, ob eine Situation eskaliert.
3 Die Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats empfiehlt die Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung, konkret durch ein Förderprogramm. Warum ist das notwendig?
Wir hören aus dem Feld der WissenschaftlerInnen, dass die Konfliktforschung noch effektiver werden könnte, wenn sie überregional besser zusammenarbeiten würde. Ein zeitlich befristetes Förderprogramm könnte bei der Vernetzung der WissenschaftlerInnen helfen und Strukturen etablieren, die deren Zusammenarbeit vereinfacht.
Interview: D. Rutschmann
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