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corona in hamburg„Es wächst gerade exponentiell“

Interview Sarah Zaheer

taz: Was hat Sie dazu bewegt, eine Corona-Hilfsgruppe zu gründen?

Claudius Holler: Man sieht, dass der Staat gerade mit großem Aufwand versucht, die Corona-­Krise zu überwinden. Aber wie das bei großen Lösungen ist, bleibt das Kleine oft außen vor. Wenn ich jetzt einen Shutdown erlebe, bin ich in einer privilegierten Situation. Es gibt aber ganz viele Menschen, für die das existentielle Probleme bedeutet. Eine forcierte Nachbarschaftshilfe kann viel abfedern. Weil ganz viele Menschen gerade überfordert sind mit der Situation, versuchen wir außerdem Informationen zu bündeln und an die richtigen Stellen zu verweisen.

Wie verläuft der Austausch, und wie sind die Reaktionen bisher?

In der Gruppe sind überwiegend Engagierte, die helfen wollen, aber auch Menschen, die formulieren, wo sie Hilfe benötigen. Die Gruppe ist inzwischen so groß, dass es genug Leute gibt, die einspringen und helfen können. Ich habe zuerst in meiner Bubble überlegt, wer von Anfang an dabei sein sollte. Wir sind mit einer Allgemeinmedizinerin und mit Leuten, die politisch aktiv sind und sich mit Community-­Management auskennen, gestartet. Es war nicht abzusehen, dass es am Ende so durch die Decke gehen wird. Es wächst gerade so exponentiell wie die Ansteckungszahlen. Den Leuten­ wird langsam bewusst, dass es Ernst wird und sie sich Gedanken machen müssen.

Insbesondere Ältere sind höheren­ Risiken ausgesetzt. Glauben Sie, dass soziale Medien der richtige Weg sind, um diese zu erreichen?

Claudius Holler, 42, ist Videoproduzent und hat die Facebookgruppe #Coronahilfe Hamburg gegründet.

Wir haben uns für Facebook entschieden, gerade weil es die Plattform mit dem höchsten Alters­durchschnitt ist. Wir sehen uns auch eher als Info-Hub und haben beispielsweise Vorlagen für Nachbarschafts-Zettel bereitgestellt, mit denen Hilfe an Hauseingängen angeboten werden kann. Denn natürlich ist das Wichtigste, dass es bei den Menschen direkt ankommt.

Welches Potenzial sehen Sie zukünftig in einer solidarischen Nachbarschaftshilfe?

Man merkt, dass sich die Menschen zuletzt sehr stark voneinander entfremdet haben. Jetzt sieht man, dass doch viele Bock darauf haben, zu helfen oder sich solidarisch zu zeigen. Vielleicht braucht man manchmal existentielle Krisen, um stärker zusammenzuwachsen. Wir stehen auf der Kippe: Es kann komplett ins Auge gehen oder für einen neuen Zusammenhalt sorgen. Ich hoffe auf Letzteres.

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