berliner szenen: Selfies im goldenen Dauerregen
High Life in der Musikbrauerei. Das kulturbeflissene Berlin und Touris treffen sich in dem Hinterhof an der Greifwalder Straße in Prenzlauer Berg. Eine „Das ist echt Berlin-Eventlocation“: außen heruntergekommen, innen zwei Säle mit acht Meter hohen Decken und technischem Hochleistungsequipment. Gezeigt wird eine Multimedia-Show rund um Gustav Klimts Gemälde „Der Kuss“, sein Leben und Werk. Ein Kassenknüller.
Goldplättchen strahlen schon im ersten Raum über den Schautafeln zu Klimts Lebensstationen. Goldenes Feuer züngelt auf einem Vorhang, durch den wir in eine Halle mit rohen Wänden und Projektoren an der Decke gelangen. Wände und Boden werden bespielt mit Gustav Klimts Kunstwerken, während das Publikum entspannt auf Sitzsäcken kauert. Zwei Frauen erzählen Klimts Leben: eine fiktive Kunstgeschichtestudentin von heute und Klimts langjährige Muse, die Modeschöpferin Emilie Flöge.
Es ist ein farbenfrohes Spektakel mit den wichtigsten Kunstwerken aus Klimts Oeuvre, das über die Wände zieht. 45 Minuten dauert die Show, angereichert mit historischen Bildern aus Wien und jeder Menge Wiener Walzer. Da dreht sich der Kopf.
Nach der Show „Klimts Kuss – Spiel mit dem Feuer“ kommen wir in einen Raum für Selfie-Romantik: Wenn sich ein Paar vor eine Wand stellt und sich näher kommt, explodieren hinter ihm die goldenen Elemente aus dem Kuss-Gemälde zum Feuerwerk. „Schöner Kitsch, ziemlich amüsant“, urteilt meine Freundin bei Mango-Huhn-Salat im vietnamesischen Restaurant gegenüber und scrollt sich strahlend durch ihre Selfies mit Goldregen. „Auf jeden Fall anregend“, finde ich, während ich den Blick von dem sich immer fort leidenschaftlich küssenden Paar hinter ihr nicht lassen kann. Ausstellungsopfer? Edith Kresta
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