berliner szenen: Männer, wir haben ein neues Bier
Ich bin unsicher, ob es ihn überhaupt noch gibt. Wir gehen zu dritt die Straße hinunter, und dann sehe ich den schmalen Biergarten wie eine Erscheinung aus der Vergangenheit. Da saßen wir vor 25 Jahren, tranken Guinness und freuten uns, weil es dort so völlig anders war als in allen anderen Kneipen und Cafés in Steglitz. Der Barkeeper ist derselbe, ich erkenne ihn sofort, und er hat noch immer – warum sollte sich das auch geändert haben – diesen penetranten Singsang in der Stimme, der kenntlich macht: Ich spreche hier, wie ich will, und ich spreche diese Sprache, die nicht meine ist, nur damit ich Bier verkaufen kann.
Ich erzähle A. und F., dass ich nun komplett mit dem Rauchen aufgehört habe. Vor einer Weile ist mir die elektrische Zigarette heruntergefallen und das gläserne Liquid-Reservoir zerbrochen, ich stand für einen Moment da, starrte auf das kaputte Ding und dachte dann, dass es ein Zeichen sein muss, nun endgültig mit diesem Quatsch aufzuhören. Dann bekam ich eine Grippe, die mich bei dieser Entscheidung tragfähig unterstützte. Und seit ich nun nicht mehr rauchte, sei ich abends ziemlich müde, gehe früh schlafen und würde auch früh aufwachen. Die beiden sehen mich an, als müsste jetzt noch der Clou der Geschichte kommen, und als nichts Weiteres kommt, sagt A., ja, um diese Uhrzeit sei er längst wach, und F. ergänzt, ja, bei ihm sei es ähnlich.
War das nicht vorgestern, als wir Minibars austranken, Kette rauchten, über geparkte Autos liefen und es für Punk hielten? Der Barkeeper kommt und sagt: „Männer, wir haben ein ganz neues Bier, ein grandioses Bier!“ Bei dem Wort „grandios“ hat seine Zunge ziemlich viel zu tun. Wir bestellen ein Alkoholfreies und zwei Cola. Der Mann nimmt es still zur Kenntnis, wie man etwas still zur Kenntnis nimmt, was man für grundlegend falsch hält. Björn Kuhligk
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