arafat am ende: Phönix wird verbrennen
Jassir Arafat ist ein Überlebenskünstler. 1982 entkam der damalige PLO-Chef den Ruinen des brennenden Beirut. Zehn Jahre später drohte ihm das sichere Ende, weil er im zweiten Golfkrieg den irakischen Diktator Saddam Hussein unterstützt hatte. Aber Arafat kam wieder – wie Phönix aus der Asche. 1993 schloss er den „Frieden der Mutigen“ mit dem israelischen Erzfeind und erhielt den Nobelpreis.
Kommentarvon ABDEL MOTTAB EL HUSSEINI
Doch seit der Wahl Ariel Scharons zum israelischen Ministerpräsidenten steht der palästinensische Präsident erneut vor dem Aus. Verantwortlich dafür ist ein Zusammenwirken der palästinensischen, israelischen, arabischen und internationalen Komponenten des Palästina-Konfliktes. Auf palästinensischer Ebene ist Arafat im Begriff, seine politische Autorität endgültig zu verlieren. Weder kann er die Intifada beenden noch die israelische Besatzung. Aber er hat auch keinerlei Alternativen dazu.
In Israel ist der Rechtsruck perfekt. Die Politik des Premiers und Exgenerals Scharon setzt einzig auf die Macht der Gewalt. Eine politische Lösung des Palästina-Problems im Sinne der Durchsetzung eines unabhängigen palästinensischen Staates ist nicht mehr vorstellbar. Arafat bliebe also nur die Rolle des Kollaborateurs der Besatzer.
Hilfe hat der Palästinenserpräsident von niemandem zu erwarten. Die arabische Welt ist unfähig, die Politik Scharons zu zügeln. Der proamerikanische Teil des arabischen Lagers hat selbst ein Treffen der Außenminister zur Erörterung der Situation in den besetzten Gebieten verhindert. Ähnlich sieht es auf internationalem Niveau aus. Die US-Administration unter George W. Bush scheint seit ihren militärischen Erfolgen in Afghanistan keine Rücksicht mehr auf die Araber in der Anti-Terror-Koalition nehmen zu wollen. Nach den letzten Anschlägen erhielt Scharon faktisch grünes Licht für die Zerschlagung der Intifada und der Autonomiebehörde. Die Gleichsetzung Arafats mit Ussama Bin Laden durch den israelischen Ministerpräsidenten stößt in Washington offenbar auf mehr als offene Ohren.
Die Frage nach einer europäischen Rolle im Nahen Osten braucht momentan niemand zu stellen. Sie existiert nicht. All dies macht das politische Überleben des palästinensischen Präsidenten extrem unwahrscheinlich. Das damit drohende Machtvakuum nach dem Ende Arafats wird für Israelis und Palästinenser gleichermaßen fatal ausfallen. Der Nahost-Friedensprozess ist endgültig tot.
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