Profiteams als Geldanlage: Extrem aufgeblasen
Immer mehr Milliardäre aus den USA zahlen Mondpreise, um sich Anteile von Sportteams zu sichern. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht.
Foto: Darren Abate/ap
J ames Dolan, der Besitzer der New York Knicks, hat ein überaus fragiles Ego. Als vor Jahren die Fans der seinerzeit erfolglosen Mannschaft forderten, er solle sie verkaufen, sprach er gegen diejenigen, die das gerufen hatten, ein lebenslanges Hausverbot aus. So war er nun auch außer sich, als seine Firma MSG Sports, zu welcher der Madison Square Garden, die Knicks und die New York Rangers gehören, an der Börse „nur“ mit 9,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Schließlich haben die Knicks gerade eine Meisterschaft gewonnen und trotzdem wurden die LA Lakers mit 12,5 Milliarden deutlich teurer an die Investmentfirma von Josh Kushner, Bruder des Trump Schwiegersohns Jared, verkauft.
Dolan reagierte sofort. Er splittete MSG Sports in zwei gesonderte Firmen auf, in der Hoffnung, dass sie in der Summe eine höhere Bewertung erhalten. Dolan spekuliert auf 17 Milliarden.
Es sind absurde Zahlen, die da für an der Börse gehandelte Profiteams aufgerufen werden. Vor wenigen Wochen kaufte die Private-Equity-Firma Apollo, der auch mehr als 50 Prozent von Atlético Madrid gehört, für 2,6 Milliarden Dollar 15 Prozent der New York Yankees. Im vergangenen Juli wurde Superbowl-Champion Seattle Seahawks für 9,6 Milliarden verkauft. Das entspricht dem Wert von Real Madrid und ist doppelt so viel wie der Marktpreis von Bayern München. Der im Sportbusiness bewanderte Journalist Gary Sernovitz nennt die Zahlen „postlogisch“.
Das sind die Bewertungen für Sernovitz vor allem deshalb, weil sie jede Regel des Anlagegewerbes brechen. Die zugrunde liegenden betriebswirtschaftlichen Daten rechtfertigen nicht annähernd solche Summen. Die Bewertung von MSG beträgt das 313-Fache des Jahresumsatzes von 32 Millionen. Im Mittel wird an der Börse etwa das 15-Fache gezahlt. Die Mehrheit der Mannschaften im Football macht keinen Gewinn. Viele Teams verlieren Geld.
Eigenartige Entscheidungen
Mark Cuban, der ehemalige Besitzer der Dallas Mavericks, glaubt, dass diese Bewertungen alle Anzeichen einer Sportteam-Blase besitzen. Es gibt in den USA zurzeit mehr Milliardäre als je zuvor. Das mittlere Vermögen der 400 reichsten Personen des Landes liegt bei über 8 Milliarden Dollar. Alle suchen nach Investitionsmöglichkeiten, und da der Wert von Mannschaften derzeit rasant nach oben schießt, sehen die Mannschaften nach einem guten Deal aus.
Für solche Investoren oder für Private-Equity-Firmen ist es gleich, ob die Zahlen der einzelnen Teams solide sind. Hauptsache, man kann sie teurer wieder verkaufen, als man sie gekauft hat. Das führt nicht selten zu eigenartigen unternehmerischen Entscheidungen. Die einfachste Art und Weise, Profite zu erhöhen, wäre Kosten zu sparen. Die größten Ausgaben sind die Spielergehälter. Aber da will kein Besitzer geizig aussehen. Zumal sich der sportliche Erfolg ungeachtet der Gewinne positiv auf den Wiederverkaufswert auswirkt.
Trotz allem glaubt Marktbeobachter Sernovitz nicht daran, dass die Sportteam-Blase bald platzt. Die Mehrheit des Kapitals kommt noch immer von betuchten Einzelpersonen oder Familien und nicht von Investmentfirmen. Besitzer wie Dolan sind emotional mit dem Team verbunden und halten ihre Anteile eine Generation lang. Der Klubbesitz verleiht ihnen Status und Prestige, sie werden mit dem Erfolg oder auch dem Misserfolg identifiziert. So war New York dem ansonsten verhassten Dolan wenigstens vorübergehend wohlgesonnen, als die Knicks die Meisterschaft gewannen.
Ein weiterer Investitionsanreiz in Sportmannschaften ist ihre Beständigkeit in einer sich rapide verändernden Welt. So ließ Josh Kushner nach dem Kauf der Lakers wissen: „Ikonische Institutionen, die in Tradition, Identität und geteilter Erfahrung wurzeln, werden in unserer fragmentierten Zeit immer wichtiger. Oder wie es der Sport-Financier Sal Galatioto ausdrückte: Die Yankees sind in 100 Jahren noch da. Aber gibt es dann noch Apple?“
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