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Zweierlei Sicherheitsgefühl

VERKEHR Weil in Schleswig manche Radwege zu schmal sind, will die Stadt beinahe überall Tempo 30 für Autos einführen. Superidee, findet der Fahrradclub ADFC. Die organisierten Automobilisten vom ADAC sehen es anders

Nach dem Schleswiger Votum für ein beinahe stadtweites Tempolimit von 30 km/h hat der Fahrradclub ADFC eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung generell gefordert. "In engen Innenstädten ist das die einfachste Lösung und oft auch die beste, um die Situation für Radfahrende zu verbessern", erklärte Schleswig-Holsteins ADFC-Chef Thomas Möller. Man setze sich schon länger für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften ein: "Die verringerte Geschwindigkeit reduziert die Unfallwahrscheinlichkeit und -schwere erheblich. Nicht nur die objektive, auch die gefühlte Sicherheit steigt und macht das Radfahren attraktiver."

Der Schleswiger Bauausschuss hatte vergangene Woche einstimmig ein neues Verkehrskonzept verabschiedet, wonach Tempo 50 künftig nur noch auf wenigen Hauptverkehrsachsen erlaubt ist. Dazu sei die Stadt gezwungen gewesen, sagte eine Sprecherin: "Wir haben Bereiche, in denen es zwar Radwege gibt, aber die sind nach Bundesrecht zu schmal. Wenn wir die Radfahrer dann auf die Straße leiten, müssen wir auch die Geschwindigkeitsbegrenzung senken."

Kritik kommt vom Automobilclub ADAC. "Radfahrer werden vor allem durch ein gut ausgebautes Radwegenetz und durch übersichtlich gestaltete Kreuzungen, Einmündungen und Ampeln geschützt", teilte der ADAC-Landesvorsitzender Ulrich Klaus Becker mit. Pauschale Tempolimits erschienen Politikern "oft als der kostengünstigere Weg", so Becker. Eine Verbesserung der Situation der Radfahrer sei damit aber "nicht gegeben".

Das Kieler Verkehrsministerium erinnert daran, dass nach Bundesrecht innerorts grundsätzlich Tempo 50 gilt. Zusammen mit einigen Länderkollegen hat sich Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) wiederholt für ein Limit zumindest vor Schulen, Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen stark gemacht. (dpa)

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