Zukunft des Hamburger Stadtparks: Begehrtes Grün

Immer mehr Menschen nutzen den Hamburger Stadtpark. Darauf möchte die Bezirkspolitik reagieren. Wie? Darüber sollen die Hamburger*innen mitreden.

Menschen im Sommer 2016 auf einer Wiese im Hamburger Stadtpark

Wachsender Bedarf: Besucher*innen verbringen einen Sommerabend im Hamburger Stadtpark Foto: Christian Charisius/dpa

HAMBURG taz | Auch, weil zuletzt das Verreisen schwierig war: Seit Jahren schon besuchen immer mehr Menschen den Hamburger Stadtpark – um Sport zu treiben, die Natur zu erleben und Konzerte, oder auch einfach gar nichts weiter zu tun.

Dass die dortige Infrastruktur, etwa was Sanitäranlagen angeht, dem Bedarf vielleicht nicht mehr entspricht, das war so eine Nachricht aus dem Corona-Sommer: Es kam zu Beschwerden, weil offenbar verstärkt Menschen im Gebüsch ihre Notdurft verrichteten. Allerdings berichteten zuständige Behörden nur von „Einzelfällen“.

Nicht auf auf Kacke-Konjunktur also reagiert der Bezirk Hamburg-Nord, wenn er sich nun dafür interessiert, wie der 1914 eröffnete Park entwickelt werden könnte. Vielmehr auf handfestere und längerfristige Entwicklungen: Die Stadtentwicklung – neu entstehende Wohnquartiere und entsprechende Verkehrsplanung – erforderten „eine detaillierte Betrachtung, über welche weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Park und sein Umfeld verfügen“: So sieht es wenigstens das Bezirksamt Nord.

Wer nutzt wie den Park?

Wo und wie können Flächen für Erholung, Sport, Kultur und Naturerleben „effizienter“ genutzt werden? Wie sollte die U-Bahnlinie 5 geplant werden, wie der Fahrradverkehr – und was ist mit den Straßen durch den Park und um ihn herum? Fragen wie diese richtet die Verwaltung nun an alle Hamburger*innen: Seit dem Wochenende steht ein Fragebogen online, auch eine Papierfassung ist im Umlauf.

Hamburgs Stadtpark wurde 1914 eröffnet – aber erst 1928 fertig gestellt. Das knapp 150 Hektar große Areal im Stadtteil Winterhude ist nach offiziellen Angaben die drittgrößte Grünfläche der Stadt.

Wesentlich gestaltet haben das Areal der Oberingenieur Ferdinand Sperber, Hamburgs späterer Oberbaudirektor Fritz Schumacher sowie Hamburgs erster Gartenbaudirektor Otto Linne. Von Anfang an sollten Statuen und weitere Kunstwerke dem Park einen auch künstlerischen Anspruch verleihen. Heute befinden sich noch 22 Statuen in dem weitläufigen Gebiet. Markantestes Gebäude ist der 1916 erbaute Wasserturm, der seit 1930 das Hamburger Planetarium beherbergt.

Es gibt ein Leichtathletik-Stadion im Park, weitere Sportplätze, fünf Spielplätze, zwei Beach-Volleyball-Flächen, ein Plansch- und ein Modellbootbecken sowie ein Freibad, das sich an den künstlich angelegten Stadtparksee anschließt.

Auf der Freilichtbühne finden regelmäßig Open-Air-Konzerte statt, davon zu unterscheiden ist die Festwiese, auf der bisher erst drei umso größere Konzerte stattfanden; zuletzt eröffneten hier 2017 die Rolling Stones ihre Welttournee – im Zusammenhang mit damals an die Genehmigungsbehörde gegangenen Freikarten ermittelte später die Staatsanwaltschaft.

Entwickelt haben den Fragebogen neben dem Bezirksamt das niederländische Architekturbüro Karres en Brands sowie die Seevetaler Freiraumplanungsfirma Schnitter. Ermittelt werden soll damit zunächst die tatsächliche Nutzung des Stadtparks.

Das geschieht auf Grundlage eines Beschlusses der Bezirksversammlung aus dem Jahr 2018: Beantragt hatten die Untersuchung damals die Grünen- und die SPD-Fraktion in einem gemeinsamen Antrag, den sie dann mit ihrer Mehrheit auch durchbrachten.

Über den jüngsten Pandemiesommer hinaus – „eine extreme Herausforderung für alle innerstädtischen Grün- und Freiflächen“, so das Bezirksamt – attestieren die Behörden „langfristige Veränderungen im Nutzungsverhalten“:

So würden Freiräume „heute deutlich intensiver und vielfältiger genutzt, als das noch vor 20 Jahren der Fall war“. Zum anderen ist aber auch die Bevölkerungszahl in den umgebenden Stadtteilen schon zwischen 2011 und 2016 signifikant gewachsen – die echte Nachverdichtung und ihre Effekte kommen erst noch.

Der Südring könnte gesperrt werden

Eine Möglichkeit, der wachsenden Nachfrage zu entsprechen, ist Flächen frei zu machen. Derzeit, erklärt das Bezirksamt auf taz-Anfrage „sind im Stadtpark einige Flächen mit halböffentlichen Angeboten belegt und stehen damit der Öffentlichkeit nur bedingt zur Verfügung“. Hier solle nun herausgefunden werden, ob alle „Nutzungen zwingend an den Stadtpark gebunden sind (oder eben nicht)“.

Auch erwägt man einige der Straßen am beziehungsweise im Park wenigstens zeitweise zu verkehrsberuhigen „um andere Nutzungsangebote zu verbessern“. Gegenüber dem NDR sprach Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz davon, „den Südring sperren zu lassen, zum Inlineskaten und ähnliches. Eine weitere Idee ist es, die Otto-Wells-Straße zumindest an den Wochenende zu sperren.“

Für noch mehr Aufsehen könnte eine andere Stellschraube sorgen: Die mögliche Erweiterung des Parks in Richtung der nördlich davon gelegenen City Nord – eine Idee, entstanden im Rahmen des „Bauforums“ im vergangenen Jahr: Nach Angaben des Bezirksamtes wurde „die Idee entwickelt, den Verkehr auf dem Jahnring über den Überseering umzuleiten, um so den Stadtpark mit der Grünzone der City Nord zu verbinden“ – eine Verlegung also von nicht weniger ale dem stark frequentierten Ring 2.

Die Umfrage läuft bis Mitte November, Ergebnisse sollen den Angaben zufolge im kommenden Frühjahr vorgestellt werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de