Zukunft der Preußen-Stiftung: Schwer reformdurstig
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist als Weltmarke am Ende. Doch die Reformen werden zäh, die Länder wollen weiter mitreden können.
D ie Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), eine der größten staatlichen Kulturinstitutionen der Welt, vertreten in der Person ihres Präsidenten Hermann Parzinger, ist geradezu reformdurstig. Das war jedenfalls der Eindruck, den Parzinger bei der Pressekonferenz vermittelte, auf dem der Wissenschaftsrat seine Reformempfehlungen für die SPK an die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien, Monika Grütters, übergab.
Selbst die vorgeschlagene Neustrukturierung der Sammlungen, Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute in vier eigenständige Organisationen wie der Verlust des Titels Preußischer Kulturbesitz, kurz die komplette Auflösung der Dachstruktur, konnte Parzinger nicht schrecken. Zumal die Heidenarbeit, die der Reform vorausgehen muss, erst mal im Feld der Politik, bei Monika Grütters liegt.
Was auf sie zukommt, lässt sich daran ermessen, dass die Evaluierungsergebnisse schon vor ihrer Veröffentlichung an die Zeit durchgereicht wurden. Sofort war die skandalisierende Schlagzeile von der Zerschlagung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Welt.
Und sofort sah auch die für die Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes zuständige Staatsministerin und SPD-Politikerin, Michelle Müntefering, in der Empfehlung des Wissenschaftsrats den falschen Weg – „denn warum sollte man einfach die Weltmarke SPK zerstören?“, wie sie im Spiegel fragte. Die Weltmarke freilich scheint ein Hirngespinst der Politik zu sein – in der Praxis ist die Klammer, die so unterschiedliche Institutionen wie die Staatlichen Museen, die Staatsbibliothek und das geheime preußische Staatsarchiv umfasst, undurchsichtig und erklärungsbedürftig.
Der Gegenwind gegen das Vorhaben nimmt jedenfalls Fahrt auf. Wie erst werden die Bundesländer reagieren? Bislang hatten sie bei geringem Geldeinsatz hohes Mitspracherecht bei der von ihnen mitgetragenen Stiftung, beides sollen sie verlieren. Die Wette gilt, dass Monika Grütters die Reform in den drei bis fünf Jahren nicht durchkriegt, von denen sie jetzt sprach.
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