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das portraitZu viel Ehre für Amerigo Vespucci

Ein Gebäude ist in der Hamburger Hafencity doch längst nach ihm benannt, vis-à-vis jenem alles überragenden Tower, dessen Namen Christoph Columbus ehrt, der Amerigo Vespucci damals ja zuvorgekommen war beim „Entdecken“ des dann immerhin nach Vespucci benannten Doppelkontinents Amerika. Und jetzt noch ein Amerigo-Vespucci-Platz, heute mit einer kleinen ­coronakonformen Feier eingeweiht und ab morgen der Öffentlichkeit zugänglich, prominent am Kopfende des Baakenhafens gelegen als 10.000 Quadratmeter großer, zentraler kommunikativer Begegnungsort für die östliche Hafencity?

Zu viel der „Glorifizierung“ für einen Konquistador und Menschenhändler, findet der Arbeitskreis Hamburg Postkolonial und fordert, die Benennung zu stoppen. Denn der Mann machte sich einst nicht bloß als „Kaufmann“, „Seefahrer“, „Navigator“ und „Entdecker“ einen Namen, als der er nun der Hafencity per Platz-Benennung maritimen Flair verleihen soll. Anfang des 16. Jahrhunderts wird Vespucci europaweit bekannt durch seinen Bericht „Mundus Novus“ –„Neue Welt“ – über seine dritte Reise nach Südamerika: wo er mordete, Dörfer niederbrannte, Sklaven nahm und sich im Text detailversessen über die nackten Körper und gepiercten Lippen der „sehr lustvollen“ Frauen dort auslässt. Er steht damit wie kaum ein Zweiter für eine sexualisierte Kodierung der brutal gewaltsamen kolonialen Landnahme.

Im Stich „America“ des flämischen Malers Jan van der Straet wird 1580 die Entdeckung der Neuen Welt als Begegnung Vespuccis – mit Kreuzbanner, Schwert und einem Navigationsgerät – mit einer nackten Frau dargestellt: Der männliche Eroberer schreibt sich in den von ihm erweckten und sich ihm darbietenden Körper des neuen Kontinents ein, so interpretierte der französische Soziologe Michel de Certeau die Szene.

„Es reicht mit der Verherrlichung und Romantisierung von Kolonialmördern in Hamburgs Stadtbild“, sagt Millicent Adjei vom Arbeitskreis. Einen Platz, der übrigens so groß ist wie der Rathausmarkt, nach Vespucci zu benennen, sei ignorant und arrogant und zeige, „dass es Hamburg nicht ernst meint mit der Aufarbeitung seines kolonialen Erbes“.

Robert Matthies

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