: Zoff übern Zaun
Kieler Bildungsministerium wundert sich über Senator Langes Sparideen. GAL vermisst weiter Klarheit
Das Bildungsministerium Schleswig-Holsteins hat offenbar erst gestern aus den Medien erfahren, dass Hamburg im kommenden Jahr drei Millionen Euro dadurch zu sparen gedenkt, dass das Nachbarland für die 3500 Jugendlichen zahlt, die in Schleswig-Holstein wohnen, aber in Hamburg zur Schule gehen. Das hatte Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) am Dienstag im Haushaltsausschuss verkündet und gestern per Pressemitteilung noch einmal bekräftigt. Jens Oldenburg, Sprecher des Kieler Ministeriums, bremst: Schleswig-Holstein verhandele nicht über die Medien.
„Die Verhandlungen über das Gastschulabkommen werden wie vereinbart in der nächsten Woche aufgenommen“, so Oldenburg. Man werde keine Ergebnisse vorwegnehmen und wundert sich über Langes „andere Vorgehensweise“. Die Hamburger SPD-Fraktion kritisiert denn auch: Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) habe Lange einen „ungedeckten Scheck“ ausgestellt.
Auch zu dem Vorhaben, Eltern für Schulbücher zahlen zu lassen, arbeitet die Behörde noch an den Details: Wem gehören künftig die Bücher? Wie geht man mit sozial bedürftigen Familien um? Das Vorhaben soll 500.000 Euro einsparen, Lange hatte im Ausschuss zehn Euro pro Monat und Kind als zumutbar bezeichnet.
„Im Vordergrund steht für uns aber der Qualitätsaspekt“, sagt Hendrik Lange, Sprecher der Schulbehörde. Denn dass Lehrer aus ihren privat gekauften Büchern kopierten, um Schülern aktuelle Informationen zu liefern, sei kein Zustand. Das Hamburger Schulbuch sei zwar im Schnitt acht Jahre alt. In vielen Büchern gebe es aber auch noch die DDR und ein ganzes großes Jugoslawien. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet die Aufhebung der Lehrmittelfreiheit „völlig inakzeptabel“. Familien würden zusätzlich belastet, Kinder stigmatisiert.
„Von Wahrheit und Klarheit keine Spur“, resümiert Christa Goetsch, bildungspolitische Sprecherin der GAL-Fraktion, und bezieht sich dabei besonders auf die über drei Millionen Euro, die Lange bei den Zuwendungen streichen will: Wo, hat er noch immer nicht gesagt. Goetsch vermutet: „Der Sparhammer für die Initiativen kommt doch nach der Wahl.“
SANDRA WILSDORF
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