: Zeitung zeigt Hetzer an
RAssismus Die Oldenburger„Nordwest-Zeitung“ hat einen Leser vor Gericht gebracht, weil er online gegen Schwarze gehetzt hatte. Chefredakteur Lars Reckermann würde das immer wieder tun
Der Chefredakteur der in Oldenburg erscheinenden Nordwest-Zeitung (NWZ), Lars Reckermann, hat eine Strafanzeige gegen den Autor eines rassistischen Posts auf der Facebook-Seite der Zeitung gerechtfertigt. Die Leser sollten wissen, „dass wir nicht einfach daneben stehen, wenn Menschen andere Menschen als Müll beschimpfen, wenn Menschen öffentlich der Tod gewünscht wird, weil sie eine andere Hautfarbe haben“, schreibt Reckermann in der Donnerstagsausgabe seines Blattes. Dies gelte umso mehr, wenn solche Kommentare auf der Facebook-Seite der Zeitung geäußert würden.
Die Zeitung hatte über einen Müllfahrer berichtet, der in Mülheim an der Ruhr ein Kleinkind gerettet hat. Ein schwarzer Junge war aus dem Fenster gefallen und wurde im letzten Augenblick von dem Mann aufgefangen.
Die Kollegen der NWZ stellten die Geschichte mit einem Foto auch auf ihre Facebook-Seite. Ein 41-jähriger Oldenburger kommentierte unter dem Artikel unter anderem, dass es „besser“ gewesen wäre „so’n scheiss Niggerkind …fallen zu lassen“. Die NWZ löschte den Beitrag unverzüglich und schaltete die Justiz ein.
Der Autor des Hass-Kommentars wurde nun vom Oldenburger Amtsgericht zu sechs Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung und 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
Chefredakteur Reckermann unterstrich, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut sei, dem Journalisten im Zweifel immer den Vorrang einräumten. Dies gelte auch, wenn die geäußerte Meinung nicht die Meinung der Journalisten wiedergebe. Auf die Frage, ob nun jeder Kommentator der NWZ-Seiten Angst haben müsste, sich öffentlich zu äußern, schrieb Reckermann: „Wenn er Menschen den Tod wünscht, wenn sein Hass eine Dimension erreicht, die mit Meinungsfreiheit rein gar nichts mehr zu tun hat, dann lautet meine Antwort: Ja.“ (epd)
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen