ZDF-Serie „Lerchenberg“: Ein Lächeln von Karl Dall

Das ZDF und Sascha Hehn sind wieder selbstironisch. Am Freitag startete die zweite Staffel der Sitcom „Lerchenberg“.

Ein Schauspieler und eine Schauspielerin

Hoch auf dem ZDF-Berg: Sascha Hehn und Redakteurin Billie (Eva Löbau). Foto: ZDF

„Die Jüngeren unter den Älteren erinnern sich vielleicht“, heißt es da einmal über „Die Schwarzwaldklinik“, in „Lerchenberg“, dieser nach zweieinhalb Jahren tatsächlich fortgesetzten, ziemlich lustigen, sehr ironischen Sitcom, in der sich der Sender mit dem Sendezentrum in Mainz-Lerchenberg über sich selbst beömmelt.

Nach wie vor ist das ZDF ein Intrigensumpf. Nach wie vor hat der inzwischen sechzigjährige Ex-„Schwarzwaldklinik“-Gigolo Sascha Hehn (Sascha Hehn) – der sich für diese Rolle vor allem mit seinem Frühwerk „Nackt und heiß auf Mykonos“ empfohlen hatte – seine Mission nicht erfüllt: „Ich will der Nachwelt beweisen, dass Sascha keine Witzfigur ist, sondern ein Charakterdarsteller.“

Er lernt also bei Iris Berben einen zweiten Gesichtsausdruck und gibt in einem „TV-Event-Movie“ „Hitlers Hundeführer“. Er setzt sich zur Promotion ins Frühstücksfernsehen und sagt übers Kindermachen: „Das schaffen sogar die dümmsten Affen im Dschungel!“ Dumm nur, dass da gerade Roberto Blanco neben ihm sitzt – um sein neues Buch „Ein bisschen schwarz muss sein“ zu promoten – und die Zeitungen dann titeln: „Ex-Frauenschwarm Hehn beschimpft beliebten Sänger Roberto Blanco vor einem Millionenpublikum als dummen Affen.“

Das ZDF hatte das gedreht (Buch: Niels Holle, Marc O. Seng, Felix Binder), lange bevor Joachim Herrmann Roberto Blanco in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ als wunderbaren Neger loben würde.

„Lerchenberg“, 2. Staffel, Folgen 6 - 8, Montag, 00.10, ZDF

Schließlich, in Folge acht, besetzt ein mit Taser bewaffneter Jan Böhmermann „das aktuelle Sportstudio“: „Solange ich nicht meine eigene große Samstagabendshow im richtigen ZDF-Hauptprogramm bekomme, gibt’s kein Sportstudio mehr!“ Er stimmt spontan ein Lied an: „... Ein Lächeln von Karl Dall / Und ein Kuss von Senta aus ,Kir Royal‘ / Deutsches Fernsehen / Das is lang her / Nich mal ,Wetten, dass..?‘ gibt’s mehr...“

„Lerchenberg“ ist natürlich das Modernste, was das ZDF zur Zeit im Programm hat. Aber sollte der ganze Spott am Ende gar Verkleidung, Mimikry sein für einen im Grunde doch wehmütigen Abgesang auf die untergegangene Ära von Wolfgang Rademann und Herbert Lichtenfeld? Das wäre dann allerdings der Gipfel der Ironie.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de