ZDF-Kindernachrichten „Logo“: Kika ändert Plan nach AfD-Interview
Nach Kritik an dem von einer Schülerin geführten Interview mit AfD-Politiker Siegmund regiert das ZDF. Für die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern soll es besser laufen.
Foto: Jens Meyer/AP Photo
Nach Kritik an einem Interview der ZDF-Kindernachrichten „Logo“ mit AfD-Politiker Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zieht der Sender Konsequenzen: Das entsprechende Konzept für die bevorstehende Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wird geändert.
Siegmund war für „Logo“ von einer Landesschülersprecherin interviewt worden. In Mecklenburg-Vorpommern sollten zunächst ebenfalls die Spitzenkandidaten – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig für die SPD und AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult – von Mitgliedern der Landesschülervertretung befragt werden.
Wie das ZDF mitteilte, wurde Schult nun aber am 8. September von einer Logo-Redakteurin befragt. Das Interview mit Schwesig hatte dagegen noch – wie geplant – eine Vertreterin des Landesschülerrats Mecklenburg-Vorpommern geführt. Es fand bereits vor der Ausstrahlung des Siegmund-Interviews am 29. August statt.
Anders als bei der „Logo“-Wahlberichterstattung zu Sachsen-Anhalt sollen die Gespräche mit Schwesig und Schult überdies nicht mehr komplett im Internet veröffentlicht werden. „Die Aussagen aus den Interviews werden in einem redaktionellen Beitrag eingeordnet“, kündigte das ZDF an.
Zahlreiche Beschwerden
Die von Schülervertretern geführten Interviews im Vorfeld der Wahlen „sollten die Perspektive junger Menschen sichtbar machen und Fragen aus ihrer Lebenswelt in den Mittelpunkt stellen“, so das ZDF auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Im Nachhinein müssen wir feststellen, dass das gewählte redaktionelle Konzept nicht angemessen war.“ Daher sei das Konzept geändert worden.
Nach Ausstrahlung des Siegmund-Interviews waren beim ZDF zahlreiche Programmbeschwerden eingegangen. Am Montag gab es dazu eine Telefonschalte mit Vertretern des ZDF-Fernsehrats. Die Initiative Campact startete zudem eine Petition mit dem Tiel „Keine Bühne für Rechtsextreme bei Logo“, die bislang von mehr als 300.000 Menschen unterschrieben wurde.
„Die Redaktion dankt den Zuschauerinnen und Zuschauern für ihre wichtigen, ausführlichen und teilweise sehr persönlichen Rückmeldungen“, erklärte dazu das ZDF. Über die offiziellen Programmbeschwerden soll jetzt der ZDF-Fernsehrat entscheiden.
DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster sagte zu der Entscheidung: „Dass,logo!' vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund eine halbe Stunde hat schwadronieren lassen, hat zu Recht für viel Unmut gesorgt. Gut, dass sich das für Mecklenburg-Vorpommern nicht wiederholt.“ Die perfide Medienstrategie der AfD erfordere journalistische Profis. „Das ist gerade gegenüber jüngeren Zuschauenden unverzichtbar.“ (kna, taz)
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