Youtube-Serie „Hazel & Thomas“: Die Kneipe als bedrohter Kulturraum

Die Komikerin Hazel Brugger und ihr Sidekick Thomas Spitzer widmen sich in ihrer Youtube-Serie „Hazel & Thomas“ zwei legendären Bremer Kneipen.

Hazel Brugger unter einem Regenschirm vor dem „Eisen“ am Bremer Sielwall.

Der Schutzschirm ist da: Hazel Brugger vor dem „Eisen“ am Bremer Sielwall Foto: Screenshot aus „Hazel hilft Bremer Kneipen“

BREMEN taz | Die Komikerin Hazel Brugger, vielen wohl vor allem bekannt als Außenreporterin der „Heute Show“ des ZDF, klettert an der bronzenen Märchenfigurenstatue am Bremer Rathaus herum und bindet dem Hund einen Mund-Nasen-Schutz vors Maul. Doch Brugger und ihr Partner Thomas Spitzer sind nicht als TouristInnen von Köln nach Bremen gereist. Nein, die beiden produzierten dort Anfang Juni eine Episode für ihre Youtube-Serie „Hazel & Thomas“: „Hazel hilft Bremer Kneipen“ soll sogar der Auftakt sein zu einer „Hazel hilft“-Reihe.

Die Coronakrise mit ihren Social-Distancing-Maßnahmen hat auch ganz normale Kneipen zu einem bedrohten Kulturraum gemacht, und in dieser Not wollen Hazel und Thomas helfen: Es gehe „um Solidarität und darum, aufeinander achtzugeben“, heißt es im mit ironischem Weichzeichner gefilmten Intro der insgesamt 24 Minuten langen Folge; die setzt Regisseur und Kameramann Hubertus Koch zum Teil schwarz-weiß in Szene – „in bester Arthouse-Manier“.

Zu Gast sind die RetterInnen dann in den wohl bekanntesten Kneipen des Bremer Ostertorviertels: dem „Eisen“ und dem „Horner Eck“. Ersteres gibt es seit stolzen 28 Jahren, aber in düstereren Farben beschreibt „Eisen“-Wirt Fernando – „morgens Tango, abends Fernando“ witzelt Hazel Brugger schon beinahe zwanghaft – die Lage: Er gehe davon aus, dass noch bis zum März kommenden Jahres kein normaler Kneipenbetrieb möglich sein wird. Hazel und Thomas verkaufen dann zwar aus dem Fenster der Kneipe heraus Bier und halten Klönschnack mit einigen Stammgästen, aber das ist wohl eher eine Geste als eine wirtschaftlich auch nur entfernt tragfähige Alternative.

Auch das „Horner Eck“ ist eine Tradi­tionskneipe – und vor einiger Zeit Pleite gegangen. Um den Weiterbestand kümmert sich eine Genossenschaft, die den Laden nun in ein Museumsstück umfunktioniert hat.

Traditionskneipe als Museum

Diese Installation stellt Hazel vor: Einzelne Elemente sind durch transparente Schutzplanen gegeneinander abgegrenzt, wodurch Kuckkästen entstanden, vor denen jeweils Hinweisschilder Definitionen und Erklärungen des Gezeigten liefern: „Stammtisch“, steht da etwa, oder “Politrunde“. Auch „Schnäpse“, „Gläser“ „Skatrunde“ und ein „Rendezvoustisch“ werden dargeboten – als wäre all das Teil einer vergangenen Kultur.

Gäste, die ihr Bier trinken – selbstredend unter Einhaltung der Distanzregeln – werden auch zu „Exponaten“. Für den Film versammelte man allerlei Stammgäste, die erzählen, wie wichtig die Kneipe in ihrem Leben war und ist.

Aus der Rolle fällt einzig Ko-Moderator Thomas: Der Nicht-Biertrinker sitzt alleine am „Rendezvoustisch“ und zwingt das Haake-Becks mehr herunter, als dass er es genießt. Wieder ein wenig Comedy in dem mit gutem Auge fotografierten, einfühlsam inszenierten Video, das zumindest in Bremen zum Klassiker werden dürfte. Seit 14. Juni online, hat die Episode bislang mehr als 108.000 Aufrufe.

Das museale „Horner Eck“ ist donnerstag- und freitagabends geöffnet. Gäste müssen sich anmelden – und dann hinter den Schutzplanen betrachten lassen.

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