„Women in Exile“ wird 20 Jahre alt.: Geflüchtete Frauen und ihre Rechte

Ihr 20-jähriges Bestehen feiern Women in Exile mit einer Konferenz. Einige Ziele seien erreicht, neue Probleme kamen dazu.

Die Gruppe "Women in Exile" bei einer Kundgebung in Potsdam.

Seit 20 Jahren gegen Rassismus, Patriarchat und Abschiebungen: Die Gruppe „Women in Exile“ Foto: Martin Müller

BERLIN taz | Am Anfang waren sie nur zu zweit oder zu dritt. So erinnert sich Florence Sissako von Women in Exile & Friends. „Ich bin damals selbst als Asylsuchende nach Deutschland gekommen und habe mich schnell politisch engagiert“, sagt sie. „Das Leben im Heim, bei gleichzeitigem Arbeitsverbot und vor dem Hintergrund drohender Abschiebungen, hat Anfang der 2000er bei uns zu einer Selbstorganisation geführt.“ Denn während sich die entstehende Bewegung der Geflüchteten auf große Themen wie die Abschaffung der Residenzpflicht konzentrierte, seien die spezifischen Belange weiblicher Geflüchteter teils auf der Strecke geblieben. Als Antwort darauf entstand die Gruppe Women in Exile, die dieses Wochenende ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert.

Anfangs habe man sich gegenseitig erst einmal helfen müssen, um überhaupt die materiellen Möglichkeiten für politischen Aktivismus zu schaffen. „Wir wurden von unseren Problemen erdrückt,“ erklärt Sissako, die inzwischen in den USA lebt. Doch seitdem hat Women in Exile viel erreicht. Die Ak­ti­vis­t:in­nen organisieren seit vielen Jahren Bustouren auch zu abgelegenen Flüchtlingsunterkünften und durch Städte in ganz Deutschland. Dabei machen sie einerseits auf die Missstände in den Unterkünften für Geflüchtete aufmerksam und wollen sich andererseits untereinander vernetzen. Bei diesen Veranstaltungen spart die Gruppe nicht mit Kritik an den teils abgelegenen Heimen und den dortigen Zuständen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben sich die Frauen auch international vernetzt.

So treffen sich an diesem Wochenende Frauen aus aller Welt zur Jubiläumskonferenz in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung direkt am Ostbahnhof. In den nächsten Tagen wird es dort Workshops, Talks und gemeinsames Essen geben, bei denen internationale Gäste über ihre Projekte berichten. Karolina Lopez von der Organisation Mariposas Sin Fronteras, zu Deutsch Schmetterlinge ohne Grenzen, kümmert sich etwa um queere und trans* Geflüchtete, die aus Mexiko in den US-Bundesstaat Arizona geflüchtet sind und dort auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten.

Teilnehmer konnten nicht einreisen

Doch auch bei der Konferenz legte die deutsche Bürokratie der Gruppe Steine in den Weg. So konnte mindestens eine Teilnehmerin nicht einreisen, weil ihr von deutscher Seite kein Visum ausgestellt worden ist, beklagt die Moderatorin Llanquiray Painemal bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag.

„Ich bin sehr beeindruckt, was aus Women in Exile geworden ist“, sagt Sissako stolz, „doch die globale Situation verschlechtert sich.“ Jeder Fortschritt erscheint den Anwesenden hart erkämpft und trotzdem weiterhin gefährdet. Obwohl die Residenzpflicht abgeschafft wurde, würde man an jedem Bahnhof in Deutschland kontrolliert. Die Forderung der Gruppe nach dem Recht, „zu kommen, zu gehen und zu bleiben“, sei noch lange nicht erfüllt.

Währenddessen werden – auch durch die Klimakrise – neue Fluchtursachen geschaffen. Deren Anerkennung ist das zentrale Anliegen vieler der Anwesenden. Doch wenn es Women in Exile nicht gegeben hätte, sähe die Lage noch schlimmer aus, ist sich Painemal sicher. Der gemeinsame Kampf gegen Abschiebungen, Rassismus und Patriarchat hat die Frauen zueinander gebracht. Das wollen sie an diesem Wochenende trotz aller Widerstände auch feiern.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de