Wohnen nach Wasserschaden

Schon wieder die „Miethai-AG“

Wiederholt steht ein Vonovia-Haus unter Wasser. Der Vermieter fühlt sich trotz mangelhafter Sanierung nicht verantwortlich

So sieht es aus, wenn die Vivonia Wände saniert. Foto: Klaus Wolschner

BREMEN taz | Zwei Mal musste die Feuerwehr in letzter Zeit zum Osterdeich zu einem Haus der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia anrücken: Einmal standen in zwei Parterre-Wohnungen Teppiche und Parkett unter Abwasser – in der einen war das Wasser aus der Toi­lette hochgekommen, in der anderen aus der Dusche. Beide MieterInnen haben derzeit Ersatzwohnungen. Und beim „Starkregen“ am vergangenen Montag brach schlicht ein Stück des Abwasserrohres heraus: In den gesamten Kellerräumen stand das Abwasser knöcheltief.

Seit gestern hängt dort ein Zettel der Wasserschadens-Sanierungsfirma Belfor an der Tür: Am Montag kommt ein Container in den Garten. Denn die Kellerräume, die nicht leer sind, werden nicht saniert. „Wird denn vorher dokumentiert, was wir da in den Container werfen? Bekommen wir denn die Sachen ersetzt?“, fragt eine Mieterin den freundlichen Mann von der Belfor. Der zuckt die Schultern: „Da müssen sie bei der Vonovia-Zentrale in Düsseldorf anrufen.“

Aber die sagt klar: Die Fußböden werden saniert, das Mobiliar sei Sache der Hausratsversicherung. Wer keine hat, hat Pech gehabt. „Elementarschäden“ nennt das die Versicherungsbranche, und da wird es kompliziert. Denn die kann man extra versichern, aber damit sind „Elementarschäden durch Rückstau“ nicht abgedeckt. Diese kann man wiederum extra versichern – aber nur, wenn eine „Rückstauklappe“ in den Leitungen eingebaut ist. Das hat die Vonovia, die früher Deutsche Annington hieß, nicht gemacht.

Dass es sich bei der Schadensentstehung um „höhere Gewalt“ handeln könnte, bezweifelt Mieterin Birte B. ohnehin: „Die haben doch in den letzten Monaten alles saniert“, sagt sie. Das Abwasserrohr, aus dem ein Kniestück einfach herausgefallen ist, ist neu. Das Fallrohr am Haus, an dem das Wasser herabstürzte, ist neu.

Das Abwasserrohr, das im Vorgarten den Kanalanschluss herstellt, ist neu gemacht – allerdings von einer Gartenbaufirma, die auch das Buschwerk im Vorgarten entfernt hat. Früher, sagt B., habe es solche Schäden bei vergleichbaren Wetterlagen nicht gegeben. Und an den unmittelbar benachbarten Häusern seien ja auch keine Schäden entstanden. B. hat einen Anwalt eingeschaltet.

„Die Dachsanierung haben Bulgaren gemacht“, sagt B. Jedenfalls hätten die PKWs der Arbeiter bulgarische Kennzeichen getragen. „Von denen hat keiner deutsch gesprochen.“ Geschlafen hätten die Arbeiter auf dem Speicher, geduscht in einer freien Wohnung des Hauses, den Baustellenstrom hätten sie aus einer Steckdose im Waschmaschinenraum abgezapft, dessen Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Als die Bauarbeiter Latten vom Dach einfach herunter warfen, hätten die Mieter das Gewerbeaufsichtsamt verständigt.

Seit dem ersten April bereits verlangt die Vonovia für die Sanierung des Hauses eine Mieterhöhung von bis zu 30 Prozent – obwohl die Arbeiten noch gar nicht abgeschlossen sind. An Dutzenden Stellen fehlen Fliesen, andere Restarbeiten stehen noch aus, aus dem Waschmaschinenraum läuft die Brühe über ein Loch in die Erde – die Waschmaschinen sind nicht an die Kanalisation angeschlossen.

Das Abwasserrohr, aus dem ein Kniestück einfach herausgefallen ist, ist neu

Das Gebäude am Osterdeich gehörte früher der kommunalen „Beamtenbau“-Gesellschaft“. Seit dem Verkauf 1994 wechselten die Wohnungen immer wieder den Besitzer. Die derzeitige Eigentümerin hat sich jüngst zu „Vonovia“ umbenannt, weil der Ruf der Deutschen Annington so schlecht war: Joachim Barloschky vom Bremer Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ nannte die Wohnungsbaugesellschaft im Jahr 2014 den „größten und schlimmsten Vermieter in Deutschland“, der Stern verpasste ihr den Titel „Miethai-AG.“

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