Online-Starkregen-Portal für Bremen

Wehe, wenn es regnet

Das neue Bremer Starkregen-Portal informiert Bürger*innen per Karte, ob ihr Grundstück bei Starkregen gefährdet ist.

Die Bremer Parkstraße in überflutetem Zustand.

Die Parkstraße bietet Parkgelegenheiten. Bei Starkregen haben sie Nachteile Foto: dpa

BREMEN taz | Überflutete Hauseingänge, vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen – immer wieder kommt es in Bremen zu Wolkenbrüchen, vor allem im Sommer, wenn auf den heißen Tagen dann starke Gewitter folgen.

Ein neues Online-Starkregenportal zeigt nun den Bremer*innen über einen Stadtplan, wie ihr eigenes Grundstück beim nächsten Unwetter unter Wasser stehen könnte und wie sie es davor schützen. Finanziert wird das Portal mit 120.000 Euro aus Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Wer sich den Stadtplan einmal genauer ansieht, findet einige dunkelblaue Stellen. Sie gelten für Flächen, auf denen das Wasser nicht schnell genug abfließen kann, wenn sehr viel davon sehr schnell vom Himmel stürzt. Die dunkelblauen Stellen gibt es überall im Stadtgebiet, insbesondere Unterführungen sind gefährdet. Dort hat es auch in der Vergangenheit schon Überschwemmungen durch Starkregen gegeben.

Bei den dargestellten maximalen Wasserständen geht es jedoch nicht um gemessene Werte. Sie sind vielmehr das Ergebnis von Modellberechnungen mit Hilfe von Daten des Deutschen Wetterdienstes. Demnach sind extreme Starkregenereignisse nur alle 100 Jahre zu erwarten. Von außergewöhnlichem Starkregen ist alle 50 Jahre die Rede. Intensiven Starkregen hingegen gibt es statistisch gesehen alle 30 Jahre.

Ronny Meyer, Umwelt-Staatsrat

„Wir benötigen mehr solcher Projekte. Alleine können Städte diese jedoch nicht finanzieren

Auf dem Portal können Hauseigentümer*innen eine kostenlose Detailauskunft zum eigenen Grundstück beantragen. Außerdem biete Hansewasser Bremen ihnen eine kostenlose und neutrale Beratung zu Vorsorgemaßnahmen an, sagte Geschäftsführer Jörg Broll-Bickhardt bei der Präsentation des Portals. Die Kosten für die Beratung übernehme Hansewasser. Sie lägen im mittleren sechsstelligen Bereich.

Allerdings gilt die kostenlose Beratung sowie die Detailauskunft zum Grundstück ausschließlich für Hauseigentümer*innen, nicht aber für Mieter*innen. Diese müssen ein Antragsformular von ihrem Vermieter ausfüllen lassen, erst dann können auch sie eine kostenlose Beratung bekommen.

Ein Vorteil für Eigentümer*innen? Das findet Projektleiter Michael Koch nicht. „Ich gehe mal davon aus, dass viele Mieter in einem guten Verhältnis zu ihrem Vermieter stehen“, sagt er. Warum das Angebot nur für Grundstückseigentümer*innen gilt, habe datenschutzrechtliche Gründe.

DBU-Sprecher Ulf Jacob sieht in dem Projekt ein „echtes Leuchtturmvorhaben, dass vorbildlich auch für andere Kommunen in Deutschland“ sei. Außerdem sei Bremen bundesweit führend in Fragen der Klimaanpassung. Der Klimawandel sei einer der größten Herausforderungen für Städte und Kommunen.

„Wir benötigen mehr solcher Projekte. Alleine können Städte diese jedoch nicht finanzieren“, sagt Jacob. Es seien bundesweite Förderprogramme notwendig. Die Entwicklung des Starkregen-Portals koordinierte das beim Umweltressort angesiedelte Projekt KLAS. „Unser Portal ist im Grunde ein integriertes Schutzkonzept“, so Projektleiter Koch.

Es bleibt abzuwarten, inwiefern das neue Portal und die Beratung angenommen wird. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass extreme Regengüsse durch den Klimawandel häufiger und intensiver sein werden.

Einmal zahlen
.

Die Erderwärmung bedroht uns alle. Die taz berichtet daher noch intensiver über die Klimakrise: von den weltweiten Streiks, den Aktionen von Ende Gelände und von der UN-Klimakonferenz. Alle Texte zum Thema unter taz.de/klimawandel.

Lesen Sie 5 Wochen die digitale taz plus 5 Ausgaben der gedruckten taz am Wochenende für nur 10 Euro. Davon gehen 2,50 Euro an ein atmosfair-Klimaprojekt in Ruanda.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben