Woche gegen Lärm im Meer: Mensch, mach leiser!

Auch den Pinguinen ist es oft zu laut im Wasser. Im Naturkundemuseum will man darauf mit der “Woche gegen Lärm im Meer“ aufmerksam machen.

Einsamer Pinguin am Meer

Der einsame Pinguin und das Meer Foto: picture alliance/dpa

BERLIN taz | Berlin ist laut. Sei es der S-Bahnhof vor meiner Haustür oder die Schnellstraße dahinter: Alles verursacht Lärm. Für das menschliche Ohr ist diese Verkehrskulisse unangenehm, wenn nicht gar störend. Argumentationsschwierigkeiten für eine Lärmschutzwand dürfte man als An­woh­ne­r*in kaum haben (ungewiss bleibt lediglich die Erfolgsquote), schließlich wirkt sich gerade Straßenverkehrslärm negativ auf unsere Lebensqualität aus.

Interessant ist aber, dass selbst unter Wasser, in den Weltmeeren, der Mensch macht, dass es laut ist. Insbesondere Schifffahrten, die Suche nach Bodenschätzen und der Bau von Windkraftanlagen gefährden die Gesundheit von Meerestieren. Wie schädlich dieser Geräuschpegel für Pinguine wirklich ist, das hat nun das Museum für Naturkunde Berlin zusammen mit dem Deutschen Meeresmuseum Stralsund im Rahmen des Forschungsprojekts „Hearing in Penguins“ (zu Deutsch: Das Hören von Pinguinen) untersucht. Dazu gibt es auch eine von den beiden Einrichtungen und dem Umweltbundesamt organisierte “Woche gegen Lärm im Meer“, anlässlich des Weltpinguintags (der am 25. April war) und des allgemeineren Tages gegen Lärm (der am 28. April ist). Bis 30. April will man bei der Woche in verschiedenen Kommunikationsformaten und Veranstaltungen auf die Problematik von menschengemachtem Unterwasserlärm aufmerksam machen.

Von anderen Meerestieren, vor allem von Walen, wisse man bereits, dass menschengemachter Unterwasserschall negative Auswirkungen haben kann, sagt Jana Hoffmann, Leiterin des Projekts. Für Pinguine fehlten solche Untersuchungen bislang. Ist doch niedlich, dass man jetzt mal das Hörvermögen von Pinguinen unter die Lupe nimmt, oder? Wenn man in Berlin wohnt, mag man wohl denken, dass die flugunfähigen Vögel doch rund 14.233 Kilometer entfernt in der Antarktis leben und ihre Probleme also ganz schön weit weg sind.

Ein Denkfehler, so Hoffmann, denn ein schlechter Zustand der Meere wirke sich auch negativ auf das Leben an Land aus – also auch in Berlin. Leider sei es schwer zu vermitteln, wie sich Lärm unter Wasser anhöre. Verständlich, wir tauchen ja nicht jeden Tag im Meer herum, während wenige Meter entfernt gerade das Fundament für eine Windkraftanlage in den Meeresboden gerammt wird.

Pinguine hingegen müssen zum Jagen von Fischen und Krill ins Wasser. Und wie die Forschungsergebnisse zeigen, können sie dort auch hören. Der Krach durch den Menschen könnte daher ihre „Orientierung beeinträchtigen und dazu führen, dass Pinguine ihre Feinde nicht mehr so gut wahrnehmen können und ihnen schutzloser ausgeliefert sind“, sagt Projektleiterin Hoffmann.

Letzteres ist dann wohl der Unterschied zur Lärmschutzwand, für lärmgeplagte An­woh­ne­r*in­nen: Uns bringt der Verkehrslärm nicht in Lebensgefahr. Schließlich werden wir nicht gleich vom Seeleoparden gefressen, wenn uns mal Schallwellen ablenken. Ach ja, und natürlich: Pinguine demonstrieren nicht für ihre Hörgesundheit.

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