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Wildwest im Mittleren Osten

Iran schießt einen US-Kampfjet ab, die USA verlieren weitere Flugzeuge bei der Rettung der Besatzung. Beide stellen das Geschehen gegensätzlich dar

Ein von den Revolutionsgarden im April veröffentlichtes Bild soll Trümmerteile eines US-Kampfjets im Iran zeigen Foto: Islamic Revolutionary Guard Corps via Anadolu Agenzy/imago

Ein US-Kampfjet vom Typ F-15E wurde am Freitag über Iran abgeschossen. Der Pilot wurde laut US-Präsident Donald Trump kurz darauf von US-Spezialeinheiten in der Provinz Kohgilujeh und Bojer-Ahmad im Südwesten Irans gerettet. Bei der Suche nach dem zweiten Crewmitglied lieferten sich Iran und die USA einen Wettlauf.

In der Nacht zum Sonntag konnte auch das zweite Besatzungsmitglied von US-Spezialkräften lebend geborgen werden. Trump schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social, der Gerettete sei „schwer verwundet und wirklich mutig“. Den US-Militäreinsatz bezeichnete er als „eine der gewagtesten Such- und Rettungsaktionen in der Geschichte der Vereinigten Staaten“.

Der zweite US-Kampfjet-Insasse war der Waffensystemoffizier, der hinter dem Piloten saß, und damit ein Militärangehöriger, dessen Gefangennahme für Iran besonders wertvoll gewesen wäre.

US-Medienberichten zufolge rettete er beim Absturz sein Leben mithilfe des Schleudersitzes. Laut dem US-Nachrichtenportal Axios rief er über Funk „Gott ist gut“. Der Luftwaffensoldat wurde offenbar verletzt, konnte jedoch laufen. US-Piloten absolvieren eine Ausbildung für den Fall, dass sie in feindlichem Gebiet landen müssen. An ihrem Körper tragen sie unter anderem einen verschlüsselten Peilsender. US-Medienberichten zufolge erklomm der Soldat einen 2.100 Meter hohen Bergrücken, bevor er sich mit einer Pistole bewaffnet versteckte.

Wie lief laut den USA die Rettung ab?

Die Rettungsaktion begann laut Trump in der Nacht zum Sonntag. Der US-Geheimdienst CIA spielte bei der Ortung und Rettung offenbar eine wichtige Rolle: Er habe eine „Täuschungskampagne“ gestartet, um die iranischen Behörden davon zu überzeugen, der Mann sei bereits entdeckt worden, berichteten die New York Times und die Financial Times.

Laut Trump waren bei der Rettung „Dutzende von Flugzeugen“ mit den „tödlichsten Waffen der Welt“ im Einsatz, außerdem laut US-Medien Hunderte Spezialkräfte. Darunter sollen auch Angehörige der legendären Elite-Einheit Navy Seal Team 6 gewesen sein. Mehrere kleine Hubschrauber, die besonders nah am Boden eingesetzt werden konnten, befanden sich in größeren C-130-Transportflugzeugen und wurden erst über dem Einsatzgebiet in der Luft gestartet.

Die Flugzeuge und Hubschrauber wurden Medienberichten zufolge beschossen, als sie sich dem Boden näherten. Spezialkräfte konnten trotzdem anlanden und, angeblich mithilfe von Anwohnern, den US-Soldaten bergen, den sie mit seinem Peilsender orten konnten.

Medienberichten zufolge wurde der US-Soldat gerettet, als iranische Sicherheitskräfte sich auf ihn zubewegten. US-Kräfte hätten das Feuer eröffnet, um sie auf Distanz zu halten. Das Wall Street Journal und andere US-Medien berichteten, US-Kräfte hätten zwei nach Beschuss blockierte C-130-Flugzeuge in die Luft gejagt, um zu verhindern, dass sie in iranische Hände fallen. Andere Flugzeuge hätten die Rettungsteams in Sicherheit bringen müssen. Der ganze Trupp sei rund 100 Mann stark gewesen.

Der US-Sender CBS News meldete, der gerettete Waffensystemoffizier sei nach Kuwait gebracht worden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Montag, Trump habe „seine Wertschätzung für die Hilfe Israels“ zum Ausdruck gebracht. Nähere Angaben machte er nicht; Medien zufolge geht es um die Kommunikationstechnologie.

Was sagt Teheran dazu?

Die iranische Armee erklärte, der US-Einsatz sei „vollständig vereitelt“ worden. Iranische Staatsmedien zeigten Bilder von verkohlten Flugzeugtrümmern in einem kargen Gebiet. Nach Angaben von Behördenvertretern wurden zwei C-130-Militärtransportflugzeuge und zwei Black-Hawk-Hubschrauber des US-Militärs zerstört, die bei dem Einsatz eingesetzt wurden.

Am Sonntagabend veröffentlichte die Nachrichtenagentur Isna ein von den Revolutionsgarden verbreitetes Foto, das angeblich den „Schädel eines US-Soldaten inmitten der Trümmer eines zerstörten Flugzeugs“ zeigt.

Der Gouverneur der Provinz Kohgilujeh und Bojer-Ahmad, Iradsch Kasemidschu, sagte der Nachrichtenagentur Mehr, in der Bergregion Kuh-e Siah seien fünf Menschen getötet worden. Er bestritt, dass dort US-Soldaten gelandet seien.

Ein Sprecher der iranischen Streitkräfte sagte staatlichen Medien, US-Soldaten hätten einen verlassenen Flughafen in der Provinz Isfahan genutzt. Teheran warf Washington vor, die Militäraktion möglicherweise als Vorwand genutzt zu haben, um Uran aus Iran „zu stehlen“. (afp, taz)

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