: Wenn man mit dem Lokführer mal innehält
ICE 1572
fährt einmal quer durchs Land vom Karlsruher Hauptbahnhof bis Hamburg-Altona. Die ganze Fahrt dauert 6 Stunden und 50 Minuten.
Um 20 Uhr wird es im ICE dunkel. Nur noch die Notbeleuchtung läuft. Es ist still. Niemand spricht und auch die Umgebungsgeräusche werden leiser. Der Lokführer hat die Antriebsleistung des Zuges reduziert, so wie er es uns Fahrgästen zuvor über den Lautsprecher mitgeteilt hat.
Mit hörbar bewegter Stimme hatte er an die Menschen in der Ukraine erinnert und höflich darum gebeten, „mit mir eine stille Minute des Gedenkens einzulegen“. Diese kleine Geste der Solidarität ist so schön, weil sie unerwartet kommt. Irgendwo zwischen Marburg und Hannover.
Ich fühle mich angesichts des Krieges in Europa hilflos; denke an die Familien, die auseinandergerissen werden, weil Putin seine Allmachtsfantasien auslebt. Doch was kann ich schon tun? Es ist seltsam tröstlich, dass ein Lokführer in seiner Schicht einfach das kleine bisschen Einfluss nutzt, über das er verfügt. Vielleicht braucht auch er das Gefühl, aktiv zu handeln und nicht nur ohnmächtig die Nachrichten zu verfolgen – selbst wenn eine Schweigeminute keinen Frieden bedeutet.
Er teilt dieses Gefühl mit all den Menschen, die sich auf der ganzen Welt zu Demonstrationen versammeln. Sie zeigen, dass die Ukraine jetzt nicht allein ist. Andrea Maestro
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