Wenn die Impfbescheinigung weg ist: Zwei Stunden ohne

Prima Regel, dieses 2G sowie 3G in Bus und Bahn – blöd bloß, wenn man seinen Nachweis vergessen hat. Ein Erlebnisbericht.

Das Bild zeigt einen Impfpass mit eingetragener Corona-Impfung.

Geimpft sein allein reicht nicht – man darf auch den Nachweis mitzunehmen nicht vergessen Foto: dpa

Oh, jetzt aber los, binnen einer Stunde wollen doch die designierte Regierungschefin Franziska Giffey und Co. an diesem Donnerstagmorgen Neues aus den Koalitionsverhandlungen berichten. Kurz ein Blick ins Portemonnaie: Perso, Fahrkarte, taz-Ausweis, Impfbesch… – nein, eben nicht. Und die Ersatzbescheinigung? Auch verlegt.

Jetzt rächt sich das Smartphone-Verweigern. Schnell aus der Schreibtischschublade den Impfpass gegriffen – hoffentlich reicht das, offiziell muss das ja digital mit QR-Code sein. Rein in die S-Bahn, Buch raus, da kommt tatsächlich auch eine Kontrolle – aber nur für die Fahrkarte, und die ist war ja im Portemonnaie drin.

Ankunft am SPD-Hauptquartier im Wedding, Müllerstraße 163, wohin Parteichefin Giffey unter 2G-Bedingungen geladen hat: Sorry, die Impfbescheinigung sei heute Morgen unauffindbar gewesen, aber man habe wenigstens den Impfpass dabei …

Der Mann von der SPD an der Tür ist gründlich und guckt genau auf das gelbe Heftchen. Die Daten stimmen, bloß nicht der Name: Es ist – wie peinlich! – nicht der eigene Impfpass, sondern jener der Tochter. Leider nicht hingeguckt beim Schnell-aus-der-Schublade-Nehmen. Murphy's law eben: Was schiefgehen kann, geht schief.

Dann müsse man wieder raus, sagt der SPDler. Da hat er recht. Wäre ja noch schöner, wenn eine Pressekonferenz von Berlins künftiger Regierenden mit 2G lax umginge. Glücklicherweise findet die Veranstaltung in einem eigentlich als Galerie genutzten Raum direkt an der Straße statt, der fast komplett verglast ist. Da kann man wenigstens sehen, wenn schon nicht hören, was hinter der Scheibe passiert. Jetzt müsste man bloß noch Westfälischer Meister im Lippenlesen sein …

Erlösung durch Test bei der taz

Immerhin ist im angeblich so beinharten Mediengeschäft erwärmende Solidarität zu erleben: Ein Rundfunkkollege kommt vor die Tür und bietet Ton an, was nicht klappt; eine Zeitungskollegin kommt hinterher und kündigt an, später einen Handytonmitschnitt zu mailen.

Aber was nun, wie hin zur taz? Keine Impfbescheinigung, kein Test – und in der U-Bahn, die zur taz führt, gilt doch 3G!

Es ist ein komisches Gefühl während dieser neun Stationen dauernden Fahrt. Ein Gefühl, das einen zumindest erahnen lässt, wie jemand empfinden muss, der dauerhaft und auch jenseits von Corona sans papiers unterwegs ist.

Glück gehabt, keine Kontrolle – wobei ja, wie am Morgen gesehen, unklar ist, ob die Kontrolleure von BVG und S-Bahn überhaupt Test- oder Impfstatus überprüfen.

Auch bei der taz gilt wie für alle Arbeitgeber 3G, aber am Eingang gibt es ja eine Testmöglichkeit. 15 Minuten später ist das Strich beim „C“ deutlich rosa und die Testbescheinigung tagesaktuell abgestempelt – gut zwei Stunden sans papiers sind zu Ende.

In der Redaktion bestätigt ein Anruf zuhause: Die 2G-Bescheinigung liegt in der Sporttasche. Viel wichtiger noch: Die Audio-Datei mit dem Mitschnitt der Pressekonferenz ist tatsächlich angekommen. Jetzt ist bloß noch abzugleichen, was Giffey in dem im Notizblock extra vermerkten Moment um 9.50 Uhr gesagt hat, als sie sich, durch die Fensterscheibe gut sichtbar, der grünen Chefverhandlerin Bettina Jarasch zuwandte und sie anlächelte.

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