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Wenn die Begeisterung mitgehört werden darf

Das Haus gegenüber in meiner Neuköllner Nachbarschaft hat große Balkone. Bei warmen Temperaturen können die Be­woh­ne­r*in­nen die wie ein zusätzliches Zimmer nutzen. Vom fünften Stock aus kann ich sie dort zwar nicht sehen, akustisch sind sie mir aber sehr vertraut: Ich höre den Kindern beim Aufwachsen zu, ich weiß, wann gegessen wird und wer abends gerne noch mit Freun­d*in­nen draußen sitzt.

Auch mich zieht es jetzt im Sommer oft auf den Balkon. Mein Feierabend dort wird gerade von lebhaftem Gebrüll aus den umliegenden Balkon-Wohnzimmern begleitet. Die EM. So verfolge auch ich, die sonst keinerlei Interesse an Fußball hegt, die Spiele anhand der nachbarschaftlichen Geräuschkulisse. Bisherige Erkenntnisse: Gebrüllt wird vor allem, wenn das deutsche oder das türkische Team spielen, tendenziell von denselben Balkonen.

Berlin-­Neukölln

163.7000 Ein­wohner*innen.

Auch in dem Ortsteil wird die EM wie sonst in Berlin gern zwanglos auf den vor den Spätis aufgestellten Groß­fernsehern geguckt. Hier vielleicht noch ein bisserl bunter gemischt.

Genauere Rückschlüsse auf den Spielverlauf lässt das von vielen Emotionen geprägte Gebrüll allerdings nicht zu, Feuerwerke scheinen aber tendenziell auf Tore hinzudeuten. Für die Details werde ich in Zukunft dann vielleicht doch einmal persönlich beim Nachbarbalkon nachfragen. Clara Zink

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