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Wenn der Verkehr für wechselnde Gefühle sorgt

Zu meiner Bank an der Alster sind es nur ein paar Minuten mit dem Rad. Vor dem Gänsemarkt drängt mich ein Bus ab. Ich bremse, da merkt es der Busfahrer auch, und wir bremsen um die Wette. Aus dem Fenster ruft er „Tschuldigung!“ „Alles gut“, rufe ich zurück. Als ich das letzte Mal einem Busfahrer gesagt habe, dass er mich gerade fast überfahren hätte, zeigte der ungerührt auf seinen Abbiege­assistenten und sagte: „Kann nicht sein!“

Ein gutes Dutzend verpeilte Fußgänger später, die mir auf dem verkehrsberuhigten Jungfernstieg vors Rad laufen, ist es wieder so weit: Diesmal drängt mich ein Auto ab. „Ey, geht’s euch gut?!“, brülle ich. Der Fahrer zuckt zusammen, steigt in die Eisen und ringt hilflos die Hände.

Als ich vorbei bin, sehe ich sein schwedisches Kennzeichen. Sofort tut es mir leid, weil die im Auto vermutlich weder mich noch die Hamburger Verkehrsführung verstehen – und es von zu Hause nicht gewohnt sind, in der Öffentlichkeit angeschnauzt zu werden.

Dann sehe ich, dass die Beifahrerin Kopftuch trägt, und denke: Oh, bestimmt ist sie es sehr wohl gewohnt, in der Öffentlichkeit angeschnauzt zu werden. Jetzt tut es mir erst recht leid.

Hamburg-­Altstadt

2.550 Ein­wohner*innen,

13 Bankfilialen, wollten die Hamburger Grünen immerhin „auto­arm“ machen. In den Koalitions­vertrag mit der SPD hat das Wort es dann doch nicht geschafft.

Jan Kahlcke