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„Wenn der Staat glaubt, Unrecht mit Unrecht vergelten zu müssen“

Bernd Pickert

Die gescheiterte Hinrichtung der 50-jährigen Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee zeigt in kondensierter Form, warum die Todesstrafe immer und unter allen Umständen unmenschlich und falsch ist.

Pike hatte im Alter von 18 Jahren zusammen mit ihrem damals 17-jährigen Freund eine 19-Jährige auf bestialische Weise ermordet. Als Volljährige wurde nur sie zum Tod verurteilt. Seit 32 Jahren sitzt sie als einzige Frau im Todestrakt von Tennessee. Am Mittwoch sollte sie hingerichtet werden. Die Eltern der ermordeten Colleen Slemmer waren extra aus Florida angereist, um der Hinrichtung beizuwohnen. Sie hofften, dadurch Frieden zu finden.

Bernd Pickert ist Redakteur im Auslandsressort der taz.

Gerichtsentscheide hin und her in letzter Minute, Todes­kammer, Hinrichtungsraum hinter Glas, Zu­schauer­raum, Vorhänge, vermeintlich letzte Worte, zweifache Gift­injektion, Atmen, Schmerzen, wieder Vorhang, Abbruch, Krankenhaus, Wiederbelebung, Entsetzen.

So viele Fehler bei einer Hinrichtung mögen ein Sonderfall sein. Aber all das kann immer passieren, wenn der Staat glaubt, Unrecht mit Unrecht vergelten zu müssen. Tennessees Gouverneur hat jetzt alle Hinrichtungen bis Jahresende ausgesetzt. Es sollte dabei bleiben.