: Wenn der Service einen üblen Nachgeschmack hat
Wir verbrachten einen schönen Tag in Schleswig. Zum krönenden Abschluss ging es noch in ein Lokal. Auf der Karte standen jede Menge Fleischgerichte, darunter ein Spieß mit roter Sauce. Und der hieß, wie so was früher mal hieß.
Beim Bestellen wies ich die Kellnerin auf das Z-Wort hin und darauf, dass die Sinti – die in Schleswig-Holstein übrigens eine Minderheit mit Verfassungsrang darstellen – den Begriff als rassistisch empfinden. „Na ja, das hat sich halt so eingebürgert“, sagte die Kellnerin. Ich biss mir mit einer Antwort auf die Zunge: Die Kellnerin hatte die Karte bestimmt nicht geschrieben, wozu also sollte ich mit ihr diskutieren? Wichtiger wäre doch, dass sie die Kritik zu ihren Vorgesetzten trägt.
Das hat sie offenbar umgehend getan. Denn der Rest des Abends wurde ungemütlich. Die Vorspeisensalate gab es erst, als die Hauptgerichte schon auf dem Tisch standen. Die waren halb kalt. Und den Schnaps aufs Haus, der an den Nachbartischen serviert wurde, kriegten wir auch nicht.
Schleswig
25.200 Einwohner*innen,
hat eine Wikingervergangenheit, deren Symbole gern von Rechtsextremen missbraucht werden – zu Unrecht, weiß man im Wikinger Museum Haithabu hier: Wikinger nahmen bereitwillig Einflüsse und auch Menschen aus anderen Kulturen auf.
So bescherte uns der Abend zwar kein gutes Essen, aber immerhin eine Einsicht: Wer beim Rassisten isst, geht mit einem schlechten Nachgeschmack nach Haus. Esther Geißlinger
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