: Weniger Gebühren
Nach dem Studi-Protest in NRW: SPD-Fraktion lehnt Rückmeldegebühren für Studis ab. Kabinett vertagt sich
DÜSSELDORF taz ■ Die protestierenden Studis in Nordrhein-Westfalen haben gestern einen Teilerfolg im Kampf gegen Studiengebühren errungen. Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag lehnt die Pläne der Landesregierung ab, die Studierenden zur Kasse zu bitten. So wird die geplante Rückmeldegebühr von 50 Euro nicht kommen, die Strafgebühren für Überschreitung der Regelstudienzeit werden möglicherweise modifiziert. Zuvor hatten sich bereits der Landesparteirat der SPD und Bundeskanzler Gerhard Schröder von den Plänen von Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) distanziert.
Das rot-grüne Kabinett hat sich dem Vernehmen nach gestern nur beraten. Die Landesregierung wollte ursprünglich Einschreibegebühren von 50 Euro für jeden Studi beschließen und gleichzeitig eine Vorlage über Gebühren von 650 Euro für Senioren- und Langzeitstudierende auf den Weg bringen – zur Sanierung des Haushaltes.
Die NRW-SPD und die Landtagsfraktion lehnen dies nun aber ab. Aufgrund der dramatischen Haushaltssituation dürften die angehenden Akademiker freilich nicht von den Sparmaßnahmen ausgenommen werden. Für Studis, die die Regelstudienzeit überschreiten oder ein zweites Studium absolvieren wollen, sollen daher dennoch Gebühren erhoben werden. Nur wie hoch diese sein sollen, ist neuerdings unklar.
Knapp 10.000 Studis demonstrierten gestern erneut vor dem Landtag in Düsseldorf. Die halbe Rücknahme der Beschlüsse löste bei ihnen gemischte Gefühle aus. „Das ist ein fauler Kompromiss, der den Protest spalten soll“, sagte ein Vertreter des Asta Bochum. Die Studis werfen den Politikern vor, zu versuchen „uns zu entsolidarisieren“. Die Entscheidung der SPD sei aufgrund der großen Protestwelle gefallen, sagte ein Aktivist aus Dortmund – also dürften die Aktionen jetzt nicht erlahmen.
Der Protest innerhalb der Bannmeile des Parlaments blieb friedlich. Dennoch wurden 21 Personen kurzzeitig festgehalten – weil sie in den Eingangsbereich des Landtages eingedrungen waren. NADIA LEIHS
bildung SEITE 14
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen