: Wende auf Madagaskar
Armee lässt Oppositionsführer Ravalomanana gewähren: Seine Anhänger ziehen friedlich in die Ministerien ein. Präsident Ratsiraka verlässt die Hauptstadt
ANTANANARIVO afp/taz ■ Die Amtszeit von Madagaskars Präsident Didier Ratsiraka geht zu Ende. Vier Minister der „Gegenregierung“ von Oppositionsführer Marc Ravalomanana haben gestern friedlich die von ihnen beanspruchten Ministerien in der Hauptstadt Antananarivo eingenommen. Damit hat Ravalomanana, der sich am 22. Februar aufgrund des von ihm beanspruchten Sieges mit absoluter Mehrheit bei den Präsidentschaftswahlen vom Dezember zum Präsidenten erklärt hatte, den ersten Schritt zur angekündigten Machtübernahme getan, trotz des von Amtsinhaber Didier Ratsiraka letzte Woche verhängten Ausnahmezustands.
Das Szenario war immer gleich. Jacques Sylla, der designierte Premierminister, führte einen Zug von Zehntausenden Anhängern der Opposition vor das jeweilige Ministerialgebäude. Die Demonstranten setzten sich auf die Straße und sangen Protestlieder, der Premierminister schickte Gesandte in das Gebäude und wenig später ließen die schwerbewaffneten wachhabenden Soldaten vor dem Gebäude den Premier und den jeweiligen Minister hinein. Später kamen auch immer die Beamten des jeweiligen Ministeriums wieder zur Arbeit - der öffentliche Dienst von Madagaskar befindet sich seit dem 28. Januar zur Unterstützung der Opposition im Generalstreik.
„Es ist eine sehr wichtige Etappe“, sagte Sylla gegenüber AFP. „Von jetzt an wird alles sehr schnell gehen. Ich werde meine Minister nacheinander in ihre Ämter einführen“. Ein Armeekommandant sagte: „Wir haben den Befehl erhalten, Gewalt und Zerstörung zu vermeiden. Die Armee ist neutral.“ Einen Befehl, auf Demonstranten zu schießen, würden die Soldaten nicht befolgen, sagte er.
Der eigentlich noch amtierende Präsident Ratsiraka hat sich derweil in die 300 Kilometer entfernte Küstenstadt Toamasina abgesetzt und gab keine Stellungnahme ab. Noch am vergangenen Freitag hatte er nach Zusammenstößen zwischen seinen Anhängern und denen der Opposition das Kriegsrecht über die Hauptstadt verhängt, die komplett von Anhängern der Opposition unter Ravalomanana kontrolliert wird. Das blieb allerdings ohne Wirkung. D.J.
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