Weidmann-Nachfolge bei der Bundesbank: Joachim Nagel wird neuer Präsident

Der Sozialdemokrat soll ab 1. Januar 2022 oberster Notenbanker werden. Hoffnung auf höhere Zinsen ist aber wohl vergeblich.

Portät Joachim Nagel

Joachim Nagel wird der oberste Notenbanker Deutschlands Foto: Sepp Spiegl/imago

BERLIN taz | Allein wie Joachim Nagel angekündigt wird, ist neu: Statt eine Pressemitteilung zu verschicken, schreibt Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) via Twitter, dass der Volkswirt mit SPD-Parteibuch die Bundesbank vom 1. Januar an leiten soll. Die Bankenwelt reagiert positiv, kennt sich Nagel doch mit Zentralbanken und Geldpolitik aus. Dass die Sparer jetzt seinetwegen auf steigende Zinsen hoffen können, ist aber unwahrscheinlich.

Nagel (55) stammt aus Karlsruhe, studierte und promovierte dort an der Universität. 1994 arbeitete er ein halbes Jahr lang als Referent für Wirtschafts- und Finanzpolitik beim SPD-Parteivorstand. 1999 fing er bei der Bundesbank an. Sein wohl wichtigster Job: Er leitete den internen Krisenstab der Bundesbank in der Finanzkrise 2008/2009.

2010 stieg Nagel in den Bundesbankvorstand auf und konnte sich 2014 bereits Hoffnungen auf den Vizepräsidentenposten machen. Er scheiterte aber daran, dass die Union keinen Mann mit SPD-Parteibuch in der Position haben wollte. Nagel wechselte 2016 zur staatlichen Förderbank KfW, 2020 dann zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Zentralbank der Notenbanken in Basel. Dort ist er stellvertretender Leiter der Bankabteilung.

Jetzt also Bundesbankpräsident: Nagel wird Chef von rund 12.000 Mitarbeitern. Die Bundesbank kümmert sich um die Bargeldversorgung Deutschlands, arbeitet bei der Bankenaufsicht mit der Bundesfinanzaufsicht Bafin zusammen und hütet die Währungs- sowie die Goldreserven (3.300 Tonnen) Deutschlands. Und sie ist Teil des Euro-Systems, an dessen Spitze die Europäische Zentralbank (EZB) steht. Viel gestalterische Macht hat sie nicht mehr, meist handelt sie im Auftrag der EZB.

Eher ein Gegner der zu laxen Geldpolitik der EZB

Nagel ist, wie sein Vorgänger Jens Weidmann, der Ende 2021 nach rund zehn Jahren an der Spitze aus persönlichen Gründen aufhört, eher ein Gegner des zu laxen geldpolitischen Kurses der EZB, hat den Kauf von Anleihen in großem Stil bemängelt. Wegen dieses Kurses sind die Zinsen seit Jahren äußerst niedrig. Zuletzt stieg auch die Inflationsrate, da könnte die EZB mit höheren Leitzinsen gegensteuern.

Bereits 2012 warnte Nagel wegen der aus seiner Sicht sehr üppigen Billiggeldpolitik und forderte, sich Gedanken darüber zu machen, wie die EZB aussteigen könne. Neun Jahre später gibt es diese Politik immer noch. Einfluss wird Nagel als Bundesbankpräsident bei der EZB dennoch haben, da Deutschland das größte Euro-Land ist. Durchdringen wird er – wie Weidmann – wohl nicht, denn jedes Euro-Mitglied hat eine Stimme. Die Mehrheit der 18 anderen tendiert weiter zur Politik des billigen Geldes.

Das Kabinett muss Nagel am Mittwoch auf der letzten Sitzung in diesem Jahr noch bestätigen. Lindner lobte den SPD-Mann auf Twitter bereits als „erfahrene Persönlichkeit, die die Kontinuität bei der Bundesbank sichert“.

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