Warnstreik bei Vivantes-Kliniken: Gegen die Zwei-Klassen-Belegschaft
Drei Tage lang streiken die Beschäftigten der Vivantes-Tochterunternehmen. Sie fordern ein Ende der Ungleichbehandlung in den Krankenhäusern.
Arbeitnehmer:innen mehrerer Vivantes-Tochterunternehmen streiken seit dem frühen Mittwochmorgen. Drei Tage und Nächte wird die Belegschaft aus Reinigung, Gastronomie und Logistik ihre Arbeit lediglich im Notdienst wahrnehmen – so will die Gewerkschaft Verdi erheblichen Druck auf den landeseigenen Klinikkonzern ausüben.
„Dieser Streik ist der stärkste Streik der Vivantes, jemals“, ruft eine Streikführerin in gelber Warnweste. Sie steht auf der Bühne eines Saals nahe dem Ostbahnhof, der als zentrales Streikbüro fungiert. Etwas mehr als 250 Streikende versammeln sich hier am Mittwoch, die Stimmung ist ausgelassen: Aus den Lautsprechern scheppert deutscher Punk, die Leute klatschen mit und blasen in ihre Trillerpfeifen.
Zur selben Zeit, in einem kleinen Seminarraum neben dem Saal, treffen sich Sprecher:innen der einzelnen Tochterunternehmen. Sie sprechen von einer „Zwei-Klassen-Belegschaft“ und fordern die Einführung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Zusammen beschäftigen die Unternehmen Vivaclean, VSG, SVL, Vivantes Reha und MVZ nach Angaben von Verdi über circa 2.500 Mitarbeiter:innen in den acht Vivantes-Krankenhäusern.
2006 unter Spardruck aus dem Mutterkonzern ausgekoppelt, befinden sich die Unternehmen nicht in öffentlicher Hand und fallen daher nicht unter den TVöD. Die Angestellten der Vivantes-Töchter werden seither an die Krankenhäuser verliehen. Ihre Gehälter unterschreiten die Löhne der Kolleg:innen, die direkt bei den Krankenhäusern angestellt sind. Verdi fordert nun die Angleichung der Tarife sowie eine entsprechende Rente.
Nancy Hoffmann, Vivantes Service Gesellschaft
Die Sprecherin der Zentralsterilisation der Vivantes Service Gesellschaft, Nancy Hoffmann, erklärt: „Ohne Steri keine OP, ohne OP kein Krankenhaus.“ Ihre Arbeit sei körperlich belastend und oft sehr stressig.
Kamila Weiss arbeitet seit 13 Jahren bei Vivaclean. Auch sie betont, wie wichtig die Arbeit der Reinigungskräfte in Kliniken ist. Je nach Belegung brauchten Räume unterschiedliche Reinigungsverfahren, um Keime abzutöten. Zudem entstünde laut Weiss erheblicher Zeitdruck, um in den ausgelasteten Kliniken Betten schnell wieder zur Verfügung stellen zu können, sobald ein:e Patient:in verlegt wurde.
Streiken ist ein Grundrecht
Neben dem Streikbüro betreibt Verdi in der Stadt mehrere Koordinationsstellen in der Nähe der Krankenhäuser, um den fluktuierenden Personalbedarf der Kliniken während der kommenden Tage zu decken.
Zur Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebs gibt es bei Streiks eine sogenannte Notstandregelung zwischen Streikkomitee und Arbeitgeberin. Damit soll der „Schutz von Leib und Leben“ der Patient:innen garantiert sein. Nicht lebenswichtige Operationen müssen indes oft verschoben werden.
Doch ein anwesender Verdi-Verhandlungsführer spricht von „Missbrauch“ vonseiten der Vivantes. Das Unternehmen nutze die Notstandsregelung, um das Streikrecht der Arbeitnehmenden zu beschneiden. Er fügt an: „Die Leute sind sauer, dass ihr Grundrecht angegriffen wird.“ Vivantes selbst erklärt, man habe kein Verständnis für den Streik in einer wirtschaftlich so angespannten Lage.
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