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Walijewas Rückkehr nach DopingsperreTransfer des Jahres auf dem Eis

Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa läuft wieder für Eteri Tutberidse. Unter deren strenger Ägide war sie 2022 zum Politikum geworden.

D er Wechsel von Kamila Walijewa in ein neues Team sei der größte Transfer dieses Winters. Das russische Nachrichtenportal Sport Express schreibt über die Rückkehr der Eiskunstläuferin zu ihrer ehemaligen Trainerin Eteri Tutberidse wie über den Wechsel eines teuren Fußballstars. Die Nachricht hat es in der Tat in sich, auch wenn es ganz bestimmt nicht um dreistellige Millionenbeträge geht wie im großen Fußballbusiness. Die Trainerin und ihr damals noch jugendlicher Schützling waren das große Thema der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

Da wurde die damals 15-jährige Walijewa zunächst bestaunt für ihr Kurzprogramm, das beste, das die Welt bis dahin gesehen hatte. Als dann noch während der Spiele bekannt wurde, dass sie bei einem früheren Wettbewerb positiv auf eine als Dopingmittel verbotene Substanz getestet worden war, wurde sie zum Politikum der Spiele.

Die einen wollten sie als Dopingsünderin umgehend aus dem Wettbewerb nehmen. Andere sahen in ihr das Kind, das Opfer eines menschenverbrauchenden Sportsystems geworden sei. Daraufhin wurde das ganze Land mit Walijewa-Plakaten gepflastert und ein Kult zu ihrer Unterstützung inszeniert.

Derweil liefen in Peking die Wettbewerbe weiter – mit Walijewa. Bei der abschließenden Kür im Einzelwettbewerb stürzte die Athletin mehrmals und wurde so zur tragischen Figur der Spiele, die scheitern musste, weil sie all den Druck, der um sie herum aufgebaut worden war, nicht meistern konnte. Am Ende kassierte ihre Trainerin noch einen hochoffiziellen Anschiss von Thomas Bach, dem damaligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, dem wie allen damals in Peking aufgefallen war, mit welcher Eiseskälte Eteri Tutberidse ihre im wahrsten Sinne gefallene Athletin nach der Kür behandelt hat.

Schwierige Rückkehr aufs Eis

Bald darauf war Walijewas Karriere ganz offiziell unterbrochen. Sie wurde wegen Dopings vier Jahre lang gesperrt. Auf ihr Comeback in den Wettkampfsport bereitete sie sich seit 2025 im Team von Trainerin Swetlana Sokolowskaja vor. In der beginnenden Wintersportsaison sollte Walijewa auch international wieder bei Wettkämpfen auftreten. Dafür beantragte sie den Status als „neutrale Athletin“.

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine dürfen russische Athletinnen nur dann international starten, wenn sie weder Propaganda für den Krieg gemacht haben noch irgendwelchen militärischen Einheiten angehören. Die Internationale Eislaufunion ISU gewährte ihr diesen Status. Kurz darauf hat sie ihre Entscheidung widerrufen. Einmal mehr sieht es so aus, als würde alles, was um Walijewa herum geschieht, zum Politikum.

Walijewa hat erst mal keinen Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Und doch scheint sie um den Status als Neutrale weiter zu kämpfen. Ihre Entscheidung, die Trainingsgruppe von Sokolowskaja zu verlassen, jedenfalls deutet darauf hin. Deren Team war bis 2023 Teil von ZSKA, dem Armeesportklub in Moskau, und damit alles andere als neutral.

Dazu kommt, dass die Sokolowskaja-Schützlinge in der 2025 errichteten Nawka-Arena trainieren. Die ist benannt nach Tatjana Nawka, der Eistanzolympiasiegerin von Turin 2006. Die organisiert für die Auftretenden durchaus lukrative Shows auf dem Eis und ist Leiterin einer Eiskunstlauf-Akademie, zu der auch die Trainingsgruppe von Sokolowskaja gehört. Wegen ihrer engen Verbindungen zum Kreml – Nawka ist die Ehefrau von Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow – steht sie auf Sanktionslisten der USA und der Europäischen Union.

Von diesem Umfeld hat sich Walijewa nun befreit. An internationalen Wettkämpfen darf sie vorerst nicht teilnehmen. Zu sehen ist sie dennoch bisweilen in den Arenen der Welt. Anfang Oktober lief sie bei einer Eisshow in Mexiko-Stadt.

Andreas Rüttenauer

Andreas Rüttenauer Sport, dies und das

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