Wahlplakate aus Pappe und Plastik: Erst Werbung, dann Müll

Tausende Wahlplakate prägen derzeit das Straßenbild Hamburgs. Eine Petition macht auf den dadurch entstehenden Müll aufmerksam und fordert ein Verbot.

Ein Wahlplakat der Grünen liegt durchnässt im Dreck

Taugt nicht mehr dazu, Altpapier zu werden: Plakat der Grünen Spitzenkandidatin Katharina Fegebank Foto: Philipp Steffens

HAMBURG taz | Zwei Sekunden: so lange wird ein Plakat im Durchschnitt angesehen. Länger hingegen sind die Folgen der intensiven Plakatierung nach einem Wahlkampf zu sehen, denn neben Ästen und Zweigen fliegen zurzeit auch zahlreiche abgerissene Plakate durch die Straßen Hamburgs. Das ist auch Felix Meschenmoser aufgefallen. Der 33-jährige Rechtsanwalt startete daraufhin eine Petition, um die Wegwerfplakate im Wahlkampf verbieten zu lassen. „Früher waren mehr Plakate auf Holzaufstellern, heute überwiegt Pappe. Durch die gewaltigen Mengen ist die Stadt deutlich voller.“

Meschenmoser ist selbst für die Grünen im Wahlkampf tätig. Als Freiwilliger hilft er der Partei beim Plakatieren. Obwohl Holzschilder logistisch schwieriger zu handhaben seien, wünscht er sich, dass die Parteien diese benutzen und auf die Masse an Papp- und Plastikplakaten verzichten. „Es gibt immer wieder Vorstöße, dass die Parteien sich beschränken. Wenn jede Partei nur zweitausend Plakate stellen dürfte, könnte man das problemlos mit Holzaufstellern machen.“ Außerdem weiß er, dass es Kandidaten gibt, die Garagen voll mit Holzschildern haben, aber nicht nutzen und stattdessen zum Pappplakat greifen.

„Wir setzen Holzplakatständer noch ein, verwenden aber aus Kostengründen und logistischen Anforderungen zunehmend bedruckte Plastikplakate“, sagt Martin Wittmaack, Landesgeschäftsführer der Linken. Diese Plakate bestehen zu 50 Prozent aus wiederverwendeten Materialien und können nach der Benutzung wieder ins Recycling gegeben werden.

Die Grünen benutzen ebenso wie die SPD einen Hersteller für ihre Plakate, der zu 90 Prozent wiederverwertete Ressourcen nutzt. „Wir haben uns intensiv mit der Ökobilanz der verschiedenen Werbeträger beschäftigt und sind daher ganz bewusst bei Plakaten aus Altpapier gelandet, die über das Altpapier entsorgt werden“, sagt Silke Lipphardt, Pressesprecherin der Grünen. Ob die Plakate nach intensivem Regen jedoch wirklich wiederverwendet werden, bezweifelt Meschenmoser: „Wenn die auf dem Boden lagen und versifft sind, glaube ich kaum, dass daraus noch Altpapier gemacht wird.“

SPD und CDU wissen nicht, wie viele ihrer Plakate in der Stadt hängen

Für die Parteien sind Plakate ein unerlässliches Mittel im Wahlkampf. „Das Plakat hat seine Rolle behauptet. Plakate sind das in der Öffentlichkeit und von den Medien am stärksten beachtete Werbemittel“, sagt Alexander Fröhlich von Elmbach, Geschäftsführer der Hamburger FDP. „Plakate sind nicht wahlentscheidend, aber sie erzeugen ein gewisses Grundrauschen in der Stadt“, sagt auch Lipphardt. „Durch die Köpfe im Straßenbild bekommen viele Menschen überhaupt erst mit, dass Wahlen anstehen.“

Die Grünen haben für ihren Wahlkampf 9.900 Pappplakate bestellt. Der Landesverband der FDP nutzt 4.000 Plakate, die Bezirksverbände und die einzelnen Kandidaten nicht eingerechnet. Die Linken haben circa 6.000 Plakate für das Rennen um die Bürgerschaftssitze aufgehängt, davon etwa 1.000 auf wiederverwendbaren Holzaufstellern. Die CDU verwendet 300 Großplakate, weiß aber nicht genau, wie viele kleinere Plakate in den Bezirken und durch die Kandidaten im Umlauf sind. Auch die SPD kann keine Angabe machen, wie viele Plakate sie hat.

„Für das Ansinnen der Petition haben wir Verständnis, dennoch ist es bei der Vielzahl von Kandidierenden nicht möglich, die Plakatierung ausschließlich mit klassischen Stellschildern zu stemmen“, meint SPD-Landesgeschäftsführer Lars Balcke. Ähnliches sagt auch die CDU, die aus Logistik- und Kostengründen Einmalplakate verwendet.

„Pappplakate werden leichter kaputt gemacht als auf Holz geleimte Plakate“, meint dazu Meschenmoser. Er fordert eine Änderung der Fachanweisung für politische Werbung. Eine Beschränkung der zulässigen Materialien wäre dort möglich.

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