Wahlen in Griechenland: Große griechische Koalition möglich
Die jetzigen Regierungsparteien könnten eine knappe Mehrheit im griechischen Parlament erringen. Grund ist eine Sonderregelung, die der stärksten Partei einen Sitzebonus zuspricht.
ATHEN rtr/dapd | Bei der Wahl in Griechenland haben die beiden großen Regierungsparteien am Sonntag inoffiziellen Schätzungen zufolge eine knappe Parlamentsmehrheit erreicht. Die konservative Nea Demokratia kommt danach auf 59 der 300 Sitze, die sozialistische Pasok auf 42 Sitze. Als stärkste Partei würde Nea Demokratia 50 zusätzliche Sitze bekommen und somit insgesamt 109 Sitze haben.
Zuvor sah eine mögliche Regierungkoalition noch unwahrscheinlich aus. Eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale veröffentlichten Hochrechnungen zufolge war die Neue Demokratie voraussichtlich mit 19 bis 20,5 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Für eine Regierung aus eigener Kraft reichte das nicht.
Die Pasok unter Führung von Ministerpräsident Lukas Papademos kam demnach auf 13 bis 14 Prozent – das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr ihrer Gründung 1974. Die Koalition der Radikalen Linken erhielt 15,5 bis 17 Prozent. Offizielle Ergebnisse werden für den späten Sonntagabend erwartet.
Vom Verlust der Großen profitierten vor allem die zahlreichen angetretenen kleinen Parteien. 32 Parteien bewarben sich insgesamt, von denen zehn die Hürde von drei Prozent für den Einzug ins Parlament nehmen könnten. Die rechtsextreme Partei Goldene Morgendämmerung – die die konsequente Ausweisung von Immigranten und eine Verminung der Grenze zur Türkei fordert – erhielt den Prognosen zufolge sogar 6,5 bis 7,5 Prozent.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert