WM-Qualifikation der DFB-Kickerinnen: Debütantinnen am Ball
Mit einem 4:0 gegen Norwegen präsentiert sich die deutsche Fußball-Nationalelf in Weltklasseform. Bundestrainer Wück vertraut gern jüngeren Spielerinnen.
I n Reih und Glied stellten sich die deutschen Fußballerinnen in ihren weinroten Wärmejacken in der Lyse-Arena von Stavanger nach Schlusspfiff auf. Um sich bei 120 mitgereisten Anhängern aus dem „Fanclub Nationalmannschaft“ zu bedanken und in der Hafenstadt im Südwesten Norwegens gemeinsam dem Frohsinn zu frönen, nachdem bei den DFB-Frauen im zweiten WM-Qualifikationsspiel vieles zusammengepasst hatte. Der 4:0-Auswärtssieg beim vermeintlich härtesten Konkurrenten erfreute auch Bundestrainer Christian Wück: „Das war ein perfekter Start. Wir hatten Phasen im Spiel, die phänomenal waren. Es ist nicht so einfach, in Norwegen auf Kunstrasen zu bestehen. Es ist wichtig für eine Spitzenmannschaft, dass sie ihre Überlegenheit immer wieder auf dem Platz zeigen kann.“ Passspiel, Einlaufverhalten und Timing stimmten, als würde es die ungewohnten Bedingungen gar nicht geben.
Mit 6 Punkten und 9:0 Toren hätte die Mission auf dem Weg zur WM 2027 in Brasilien kaum eindrucksvoller starten können. Agiert das Team gegen Österreich in Köln (14. April) und Ried (18. April) so konsequent und variabel, dann ist die Direktqualifikation früh unter Dach und Fach. Zwischenzeitliche Hänger blieben am Samstagabend folgenlos, weil sich Torhüterin Ann-Katrin Berger mal wieder in Topform präsentierte, obwohl ihre NWSL-Saison mit Gotham FC als USA-Meister erst nächstes Wochenende beginnt.
„Da müssen wir uns bei Anne bedanken, dass wir zu Null gespielt haben“, wusste auch Wück, weil das Führungstor durch die enorm umtriebige Elisa Senß (18.) anfangs trügerische Sicherheit vermittelte. „Wir haben zu null gespielt, da muss es einem immer gut gehen“, sagte Berger später. Ihre Vorderleute hätten gezeigt, „dass wir auch gegen größere Mannschaften richtig gut Fußball spielen können. Wir müssen einfach nur die Konstanz finden, das 90 Minuten lang durchzuziehen.“
Ann-Katrin Berger, DFB-Torfrau
Dass DFB-Frauen nun wieder nach der Weltspitze streben, hat für Berger auch damit zu tun, „dass wir 13 Tage zusammen waren – das ist ein riesengroßer Unterschied.“ Für die Bundesliga sind die langen Abstellungsfristen im Frühjahr natürlich wenig hilfreich, aber der Nationalelf gibt es die Möglichkeit, mehr Inhalt gerade an nachrückenden Spielerinnen zu bringen. Die für die verletzte Klara Bühl eingesprungene Vivien Endemann wusste jedenfalls erneut ganz genau, was als Außenstürmerin zu tun ist.
Wie schon bei ihrer Gala gegen Slowenien (5:0) gelangen der 24-Jährigen vom VfL Wolfsburg ein Tor und zwei Vorlagen. Ihr Steckpass auf Carlotta Wamser zum 2:0 (45.+1) und ihr Lupfer zum 3:0 (45.+4) zogen dem Gegner mit Stars wie Ada Hegerberg, Graham Hansen und Signe Gaupset bereits zur Pause den Stecker. Dass Matchwinnerin Endemann auch jenen Konter handlungsschnell ausführte, mit dem Jule Brand auf 4:0 stellte (58.), wurde zum Sinnbild der deutschen Stärke. Sportdirektorin Nia Künzer merkte zurecht an: „Unser Manko Effizienz und Effektivität haben wir abgestellt.“ Und Wück hat also sogar damit recht, dass er auf die nur 1,55 Meter große Vanessa Fudalla von Bayer Leverkusen als beste Bundesligatorjägerin verzichtete.
Nach Larissa Mühlhaus von Werder Bremen verhalf der Bundestrainer lieber Jella Veit von Eintracht Frankfurt zum Einstand. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte die 20 Jahre alte Abwehrspielerin nach ihrer Einwechslung. Der Bundestrainer möchte seinen Pool mit Spielerinnen erweitern, denen er perspektivisch den internationalen Durchbruch zutraut. Mittlerweile ist das Dutzend an Debütantinnen unter der Regie eines Talentförderers voll, der längst auch die Heim-EM 2029 im Auge hat. Frank Hellmann
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