Vor dem Spiel Leipzig-München: Finale um die Schale

RB Leipzig schielt auf die Meisterschaft. Das Team ist gut drauf, Rekordmeister Bayern München schwächelt. Besser werden die Chancen wohl auf Jahre nicht.

Leipziger Jubeltraube.

Kompaktes Erfolgsteam: RB Leipzig beim 1:0-Sieg in Bielefeld Foto: dpa

LEIPZIG taz | Der Ritterschlag für RB Leipzig erfolgte auf dem Transfermarkt. Dayot Upamecano wechselt im Sommer zum FC Bayern München. Der baumlange Franzose gilt als eines der größten Abwehrtalente in Europa und kostet rund 40 Millionen Euro Ablöse.

Nun ist der Rekordmeister bekannt dafür, gerne Spieler solcher Vereine zu verpflichten, die den Münchnern ihre Vormachtstellung streitig machen könnten. Dass nun Spieler von RB Leipzig das Ziel bayrischen Begehrens werden, ist damit auch ein Signal: Leipzig ist die zweite Kraft im deutschen Fußball und damit Bayern-Jäger Nummer eins. Zwar warnte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge jüngst in der Sport-Bild davor,Dortmund zu unterschätzen“, in der Uefa-Fünfjahreswertung stünde der BVB besser da als Leipzig. Doch auf der anderen Seite ist die Bundesligatabelle eindeutig: RB steht 14 Punkte vor dem BVB und nur 4 hinter den Bayern. Am Samstag (Anpfiff: 18.30 Uhr) treffen die derzeit besten deutschen Teams aufeinander. Es ist das Endspiel um die Meisterschaft.

Das weiß auch RB-Coach Julian Nagelsmann: „Wenn wir unentschieden spielen oder verlieren, ist die Saison nicht vorbei, aber der Meisterkampf.“ Selbst bei einem Sieg müssten die Leipziger auf weitere Patzer des FCB hoffen, doch die Möglichkeit eines engen Titelkampfs ist mehr, als in den vergangenen Jahren zu erhoffen war. „Es kribbelt schon“, gestand Nagelsmann. „Ich bekomme viele Nachrichten, dass viele Leute jetzt schon nervöser sind als ich“, fügte er mit seinem berühmten Grinsen an.

Vor knapp zwei Jahren begann der 33-Jährige seine Dienste in Leipzig. „Es ist schon das Ziel, hier schon mal was Blechernes zu holen“, sagte er damals. Nagelsmann schaffte es, eine ohnehin schon hochtalentierte Mannschaft weiterzuentwickeln. Nachdem RB lange vor allem für Pressing und Umschaltspiel stand, kann das Team Gegner jetzt auch mit Ball­besitzfußball mürbe spielen.

So geschehen vor zwei Wochen, bei einem 1:0-Arbeitssieg bei Arminia Bielefeld. „Vor einem Jahr hätten wir das Spiel nicht gewonnen. Da haben wir extreme Geduld gebraucht“, sagte Nagelsmann über die Entwicklung. Der Kern der Mannschaft spielt schon lange zusammen: Gegen Bielefeld standen Profis auf dem Platz, die noch 2015 in der zweiten Liga für RB gekickt haben. Spieler wie Marcel Halstenberg oder Lukas Klostermann kamen als unbekannte Talente nach Leipzig und wurden zu Nationalspielern.

Im Hinspiel 3:3

Während RB gegen die „Kleinen“ verlässlich punktet, haperte es in der Liga meist gegen die Top-Mannschaften. Da wären zwei Unentschieden gegen Frankfurt, ein 1:3 zu Hause gegen Dortmund und das 3:3 gegen die Bayern im Hinspiel. Für sich genommen keine schwerwiegenden Patzer, aber eben der kleine Unterschied zum deutschen Rekordmeister.

Auch in den direkten Duellen mit den Bayern gab es für die Leipziger allzu oft lobende Worte, aber höchstens einen Punkt. Von elf Aufeinandertreffen konnte RB erst eins gewinnen. Vor knapp zwei Jahren gab es die bittere 0:3-Pleite im DFB-Pokal-Finale. Da verfestigte sich der Eindruck: Wenn es wirklich drauf ankommt, sind die Bayern noch immer das Maß aller Dinge.

Die Brause-Millionen aus Österreich katapultierten das Konstrukt RB Leipzig aus den Niederungen des Fußballs in die Spitzengruppe der Bundesliga – doch die Vitrine ist noch leer. „Am Ende ist das auch ein Grund, warum wir alle Fußball spielen: Um eben irgendwann etwas in den Händen zu halten“, sagte Mittelfeldmotor Kevin Kampl, der gegen die Bayern mit einer Gelbsperre fehlen wird. In dieser Saison scheint die Chance für einen Titel so groß wie nie. Denn die Bayern schwächeln ein wenig, ihr Topstürmer Robert Lewandowski fällt verletzt einige Zeit aus, und wenn Leipzig am Samstag ranrücken sollte, würde das den Druck erhöhen. Dazu stehen die Sachsen im Halbfinale des DFB-Pokals. Aus dem Wettbewerb ist – der Dank geht nach Kiel – der Titel-Abonnent aus München bereits ausgeschieden.

Die beste Defensive

RB stellt mit 21 Gegentoren die beste Defensive der Liga. Gegen die Bayern muss Nagelsmann aber improvisieren: Mit Angelino und Halstenberg fehlen die beiden nominellen Linksverteidiger. Eine Dreier-Abwehrkette könnte die Lösung sein. Viel Zeit für die Vorbereitung bleibt nicht. „Eigentlich beginnt heute erst die Vorbereitung, weil ich viele Spieler heute das erste Mal sehe“, sagte Nagelsmann am Freitag. „Klar, das gilt für die Bayern auch.“ Beide Vereine stellen viele Nationalspieler, die erst Donnerstag nach Leipzig oder München zurückkehrten.

Leipzig klopft ganz oben an. Es könnte aber vom eigenen Erfolg aufgefressen werden. Stützen wie Marcel Sabitzer (Tottenham) oder Ibrahima Konaté (Liverpool) werden mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht. Am Ende könnte auch Julian Nagelsmann gehen. Er gilt als ein Nachfolgekandidat für Bayern-Coach Hansi Flick, der wiederum im Sommer Bundestrainer werden könnte. „Ich habe Vertrag bis 2023. Das sind die Parameter, die gelten. Alles andere brauchen wir nicht besprechen“, sagte Nagelsmann am Freitag. Ein Dementi klingt anders. Die Bayern jagen also dem Verfolger sogar den Trainer ab? Das ist eine Form der Wertschätzung, auf die RB verzichten könnte.

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