: Volkswagen erstmals seit 20 Jahren in den roten Zahlen
FINANZEN Quartalsbilanz wegen Rückstellungen in Milliardenhöhe tiefrot. Nicht mehr Weltgrößter
dpa/rtr | Wer zahlt für Dieselgate? Zum Teil der Steuerzahler. Volkswagen will die milliardenschweren Rückstellungen für Rückrufe im Zusammenhang mit der Manipulation von Abgaswerten bei der Steuererklärung geltend machen. Er gehe davon aus, dass die Beträge steuerlich absetzbar sind, sagte Finanzvorstand Frank Witter. Anders sei dies bei Strafzahlungen oder Bußgeldern, die dem Konzern wegen Umweltvergehen drohen. Volkswagen hatte wegen millionenfacher Rückrufe 6,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt.
Dies bescherte dem Wolfsburger Autobauer den ersten Quartalsverlust seit mehr als 20 Jahren. Vor Zinsen und Steuern stehen in der Bilanz im dritten Quartal rund 3,5 Milliarden Euro Minus, auch unter dem Strich blieben 1,7 Milliarden Euro Verlust. Das teilte Volkswagen am Mittwoch mit. Die Kosten für die Folgen der weltweit elf Millionen Diesel mit manipulierten Abgaswerten verdecken, dass sich Europas größter Autobauer im dritten Quartal wacker schlug. Trotz der Krisen in Brasilien und Russland und Gegenwinds in China greifen die Bemühungen um mehr Kostendisziplin. So lief es etwa beim Sorgenkind VW-Pkw besser. Waren vor Zinsen und Steuern im Herbst 2014 nur 2,30 Euro je 100 Euro Umsatz geblieben, sind es nun 2,80 Euro. Selbst der langjährige Verlustbringer Seat schrieb schwarze Zahlen. „Die Zahlen zeigen einerseits die starke Substanz des Volkswagen-Konzerns, andererseits treten erste Auswirkungen der derzeitigen Situation klar zutage“, so VW-Konzernchef Matthias Müller.
Auf den Absatz hatte der Abgasskandal noch keine größeren Auswirkungen. Die Manipulation war erst zum Ende des Quartals bekannt geworden. In den ersten neun Monaten lieferten die Wolfsburger weltweit 7,43 Millionen Fahrzeuge aus, 1,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist.
Das lag vor allem an der schwachen Nachfrage in Brasilien und Russland. Auch auf dem weltgrößten Automarkt, in China, verkaufte Volkswagen weniger Fahrzeuge. Deshalb verloren die Wolfsburger die Weltmarktführung wieder an den japanischen Rivalen Toyota, der im gleichen Zeitraum 7,49 Millionen Autos absetzte.
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