Vogelgrippe in den USA: Eine einzige Mutation könnte die nächste Pandemie auslösen
Weltweit breitet sich H5N1 in Vögeln und Rindern aus. Viele Änderungen braucht es nicht, um auch Menschen zu gefährden, zeigt eine neue Studie.
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Weltweit befällt die Vogelgrippe H5N1 zurzeit Wildvögel, wild lebende Säugetiere und Tiere in industrieller Haltung. In den USA melden Geflügel- und Milchbetriebe Ausbrüche in etwa 1.000 Kuhherden. Unter Tieren, die dicht an dicht in Ställen stehen, kann sich ein Virus schnell verbreiten. Menschen infizieren sich bisher nur selten mit dem H5N1-Virus. Etwa 70 Fälle bei Menschen sind aus den USA bekannt, die meisten haben sich bei der Arbeit in Geflügel- oder Milchbetrieben angesteckt. Für die meisten Infizierten ist der Verlauf bisher mild, im Januar meldeten die US-Gesundheitsbehörden jedoch auch einen Todesfall.
Dass es unter Menschen so wenige Fälle gibt, liegt daran, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch wohl nicht möglich ist. Bislang jedenfalls: Forscher*innen vom Scripps Research Institute in Kalifornien haben jetzt unter Laborbedingungen gezeigt, dass eine einzige Mutation des Virus reichen könnte, damit es „lernt“, sich auch unter Menschen zu verbreiten.
Die Studie
Damit ein Virus einen Organismus befallen kann, muss es in seine Zellen eindringen. Dazu bindet es sich an Rezeptoren auf der Zelloberfläche. Das Virus hat an seiner Oberfläche eine Bindungsstelle, die wie ein Puzzleteil genau auf die Rezeptoren passt. Viren sind in der Regel auf einen bestimmten Organismus spezialisiert, zum Beispiel auf eine Pflanzenart, auf Vögel, auf Kühe oder auf Menschen. Denn die Zelloberfläche, an die das Virus andockt, unterscheidet sich je nach Organismus.
Doch Viren mutieren ständig. Dadurch kann sich auch die Rezeptorbindungsstelle verändern, sodass ein Virus für andere Organismen ansteckend wird. Oft ist dazu eine ganze Reihe an Mutationen nötig. Beim H5N1-Virus genügte in der Laborstudie, die im Journal Science veröffentlicht wurde, eine einzelne Mutation, um die Bindung an menschliche Zellrezeptoren zu ermöglichen. Weitere Veränderungen verstärkten diese Bindung.
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Die Forscher*innen zeigten, dass diese Mutation möglich ist. Das heißt aber nicht, dass sie zwangsläufig eintreten wird: Im Wirtsorganismus des Vogels oder der Kuh bringt die Anpassung an die menschlichen Zellen dem Virus keinen Vorteil. Die nötigen Mutationen sammeln sich deshalb gar nicht erst an – solange das Virus bei den Tieren bleibt.
Was bringt’s?
Die Studie zeigt, dass H5N1 ernst genommen werden muss. Expert*innen warnen, das Virus habe das Potenzial, eine Pandemie auszulösen. Sie fordern eine engmaschige Überwachung des Infektionsgeschehens und besseren Schutz der Menschen, die in infizierten Betrieben arbeiten. Denn je öfter das Virus von Tieren auf Menschen überspringt, desto wahrscheinlicher wird eine Anpassung an den Menschen durch Mutationen. H5N1 ist dabei sehr dynamisch: Inzwischen hat ein zweiter Stamm des Virus den Sprung von Vögeln auf Kühe geschafft. Wie dieser Stamm sich weiterentwickeln wird, ist offen.
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