Viriginia bekommt einen Republikaner: Der Aufstieg des Glenn Youngkin

Der 54-jährige Geschäftsmann ist ein politischer Neuling. Trotzdem konnte er den Demokraten nach 12 Jahren den Gouverneurs-Posten streitig machen.

Ein Mann steht vor zwei US-Flaggen und einem schweren Vorhang und ballt die Fäuste. Er lächelt an der Kamera vorbei.

Republikaner Glenn Youngkin in der Wahlnacht zu den Gouvnerneurswahlen in Virgina Foto: Andrew Harnik/ap

Mit gereckter Faust trat Glenn Youngkin noch in der Nacht vor seine Anhänger:innen: „Alrighty, Virginia, wir haben das Ding gewonnen!“ rief er. Der 54-jährige Geschäftsmann hat dort bei der Wahl am Dienstag für die Republikanische Partei den Gouverneurssitz zurückerobert. Youngkin landete knapp vor dem demokratischen Ex-Gouverneur Terry McAuliffe und wird damit der erste Republikaner seit zwölf Jahren, der das Amt in Virginia übernimmt.

Dabei ist er ein politischer Neuling. In seiner Wahlkampagne spielte Youngkin mit Ängsten vor zu viel liberalem Einfluss in den Schulen und versprach, Eltern mehr Kontrolle über das zu geben, was ihre Kindern dort lernen. Und, unverzichtbar für einen republikanischen Kandidaten: Er kündigte an, Steuern, die der Bundesstaat erhebt, deutlich zu senken.

Youngkin wurde 1966 in Richmond, der Hauptstadt Virginias, geboren. In der High School wurde sein Talent im Basketball deutlich, was ihm ein Stipendium für die Rice University in Texas einbrachte. Seine Hochschullaufbahn schloss er mit vielen sportlichen Ehrungen und einem MBA in Harvard ab. Er heuerte bei der Unternehmensberatung McKinsey und nur ein Jahr später bei der Vermögensverwaltung Carlyle Group an.

Er half, das Unternehmen 2012 an die Börse zu bringen und stand seit 2015 an dessen Spitze. Im Herbst 2020 verließ er Carlyle und kündigte im Januar 2021 an, sich um das Gouverneursamt in Virginia zu bewerben und dank seines großen Privatvermögens den Wahlkampf selbst zu finanzieren.

Mut zu Fake News

Es war die Zeit des Streits um die Wahl Joe Bidens zum Präsidenten, die von Trump und vielen seiner Un­ter­stüt­ze­r:in­nen nicht anerkannt wurde, was im tödlichen Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar gipfelte. Monatelang weigerte sich Youngkin, in dieser Frage Position zu beziehen. Erst als er im Mai von der republikanischen Partei offiziell nominiert wurde, sagte er, Biden sei der legitime Präsident. Aber nun plant er minderheitenfeindliche Wahlrechtsänderungen wie in anderen republikanisch regierten Bundesstaaten.

Er lehnte das Tragen von Masken und Impfgebote ab, hielt es aber für sinnvoll, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. In der Debatte um Virginias Schulen scheute Youngkin nicht davor zurück, Lügen zu verbreiten. Er behauptete, sein Gegner McAuliffe wolle den zum patriotischen Symbol gewordenen morgendlichen Flaggenappell abschaffen. Er versprach, die sogenannte „Critical Race Theory“ in Virginia aus den Lehrplänen zu entfernen – doch sie war dort nie enthalten. Viele seiner Argumente entstammten der Hetzrhetorik des Trump-freundlichen TV-Senders Fox News.

„Parents matter“ war im Wahlkampf seine Antwort auf die „Black Lives Matter“-Kampagne. Die New York Times sprach vom „Kulturkampf in Virginia“. Doch radikale Änderungen dürfte er nur schwer durchsetzen; Virginias Schulen werden von gewählten Schulbeiräten kontrolliert, und im Senat des Bundesstaates haben die Demokraten weiterhin eine Mehrheit.

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