Vier Monate Ausfuhrverbot: DR Kongo verfügt Exportstopp für Kobalt
Der größte Förderer des Schwermetalls will den Preisverfall auf dem Weltmarkt aufhalten. Langfristig könnte Kongo die Maßnahme auf die Füße fallen.
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Kobalt ist ein lukratives Nebenprodukt der kongolesischen Kupferförderung und ist besonders in der Herstellung von Batterien für E-Autos gefragt. Rund 75 Prozent der weltweiten Produktion kommen aus der DR Kongo, ausschließlich aus dem Kupfergürtel in der Region Katanga im äußersten Süden des Landes, wo sich eine gigantische industrielle Tagebaumine an die andere reiht und drumherum hunderttausende Bergleute mit bloßen Händen zusätzlich nach Erzen graben.
Kongos Präsident Felix Tshisekedi setzt eigentlich auf einen Bergbauboom, um mehr Geld in die öffentlichen Kassen zu spülen und ambitionierte Entwicklungsprogramme zu finanzieren. Seit einer Delle infolge der Covid-19-Pandemie wächst der Bergbau jetzt wieder kräftig.
Die Förderung von Kobalt wuchs zwischen 2021 und 2023 von rund 90.000 auf 140.000 Tonnen. Die Exporte 2023 beliefen sich sogar auf rund 153.000 Tonnen, was auf den Abbau von Halden zurückzuführen war. Die Ausfuhr wurde vor allem in den Monaten des Wahlkampfs vor Tshisekedis Wiederwahl im Dezember 2023 kräftig angekurbelt – im letzten Quartal des Jahres exportierte Kongo dreimal so viel Kobalt wie im ersten. 2024 ging es weiter so: Im ersten Halbjahr führte die DR Kongo über 100.000 Tonnen Kobalt aus, ein Rekord.
Da die wichtigsten Förderkonzerne aus China auch in anderen Ländern die Föbrderung ausbauen und es gewissermaßen eine Angebotsflut gibt, ist der Markt zusammengebrochen. Ende Februar 2021 gab es an der Londoner Metallbörse LME rund 81.000 US-Dollar für eine Tonne Kobalt. Heute sind es noch 21.550, die Tendenz zeigt abwärts. So sinken nun Kongos Staatseinnahmen aus dem Bergbau deutlich.
Kongos Regierung kann nur die Exporte kontrollieren, nicht die Förderung. Der Bergbaukonzern CMOC (China Molybdenum), der die großen Minen Tenke Fungurume und KFM betreibt, will nach eigenen Angaben die Produktion nicht einschränken. Selbst falls sich die Preise erholen sollten, dürfte der Exportstopp also lediglich neue Lagerbestände wachsen lassen, deren Verkauf irgendwann die Preise wieder senkt.
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