Vertretung Nordkoreas in Berlin: Botschaft arbeitet an Atomprogramm

Laut Verfassungschutz soll Pjöngjang über seine Auslandsvertretung in Berlin-Mitte militärisches Material organisieren. Das berichtet die ARD.

Das Foto zeigt ein Schild an einem zaun. Auf dem Schildt steht "Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea" unter einer Reihe von koreanischen Schriftzeichen

Die nordkoreanische Botschaft in Berlin-Mitte. Foto: imago/epd

„Oh my god!“, entfährt es einem der drei südkoreanischen Touristen, als diesen bewusst wird, wo sie sich gerade befinden. Zufällig stehen die drei modisch gekleideten, mit Chanel-Tütchen ausgestatteten jungen Männer am Montag vor dem Bürogebäude in der Glinkastraße in Berlin-Mitte. Ungläubig lachend überprüfen sie nun auf ihren Smartphones, was auf sie wirken muss wie ein schlechter Scherz: Sie stehen vor der Botschaft Nordkoreas.

Noch verwunderter wären die drei Südkoreaner vielleicht, wenn sie wüssten, was sich hinter dem Zaun der nordkoreanischen Auslandsvertretung abspielt: Der Bundesverfassungsschutz geht davon aus, dass das Regime in Pjöngjang über die Botschaft Teile für Raketen und Atomwaffen besorgt.

„Wir mussten feststellen, dass von dort aus Beschaffungsaktivitäten gelaufen sind, aus unserer Sicht mit Blick auf das Raketenprogramm, teilweise auch auf das Nuklearprogramm“, sagt Geheimdienstpräsident Hans-Georg Maaßen in einer Dokumentation der ARD.

Oft gehe es um Güter, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden könnten. Einige Aktionen habe der Verfassungsschutz unterbunden, nachdem er von ihnen erfahren habe. Manche Fälle könnten ihm laut Maaßen aber auch entgangen sein.

Nervenkrieg um Nordkorea. Was treibt Kim Jong Un? Montag, 5. Februar 2018 um 22:45 Uhr in der ARD.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine nordkoreanische Botschaft in den Fokus von Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden gerät. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Kim-Regime seine Botschafter dazu anhält, ihre diplomatische Immunität für illegale Geschäfte zu missbrauchen.

Vor allem in „Dritte-Welt“-Ländern herrschen für Nordkoreas Botschaften paradiesische Verhältnisse zur Geldbeschaffung: Ein im September 2017 veröffentlichter Bericht der in der Schweiz ansässigen Global Initiative against Transnational Organized Crime listet in den letzten 30 Jahren mindestens 18 Fälle nordkoreanischer Diplomaten auf, die beim Nashorn- und Elfenbeinschmuggel erwischt wurden.

Ein UN-Bericht von 2014 verdächtigte die nordkoreanischen Botschaften in Kuba und Singapur sogar, eine illegale Schiffsladung mit zwei MiG-21 Kampfflugzeugen und sowjetischen Raketenteilen organisiert zu haben. Die Waffenladung des nordkoreanischen Containerschiffs wurde von den Behörden in Panama entdeckt – versteckt unter tonnenschweren Zuckerladungen.

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