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Verpasste historische Chance

Der Zentralrat der Juden ist enttäuscht. Johannes Paul II. hätte zum Holocaust deutlicher Stellung beziehen können

BERLIN ap ■ Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die katholische Kirche aufgefordert, ihre Archive aus der Zeit des Holocaust zu öffnen. Mea culpa schön und gut, doch jetzt seien praktische Konsequenzen aus dem Schuldbekenntnis des Papstes gefordert, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Michel Friedman, gestern im Saarländischen Rundfunk.

Friedman bezeichnete die Ansprache vom Sonntag, in der der Papst sich für Verbrechen und Irrtümer im Namen des Glaubens entschuldigt hatte, als einen „ersten, wichtigen Schritt“, der aber leider unzulänglich ausgefallen sei. Johannes Paul II. habe eine „historische Chance verpasst“, deutlich zum Holocaust Stellung zu nehmen, kritisierte Friedman.

Auch seien es nicht einzelne Christen, sondern über Jahrhunderte hinweg Päpste gewesen, die Judenhass gepredigt hatte. „Hier hätte ich mir klare, eindeutige Worte gewünscht“, so Friedman. Seiner Meinung nach hätte der Papst „hinter sich selbst zurückgesteckt“, denn in der Vergangenheit habe sich Johannes Paul II. zum selben Thema schon deutlicher geäußert.

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