Vermeintlicher Skandal im Ostseebad

Fotoverbot am Badestrand

Das Fotografieren halbnackter Badegäste am Ostseestrand solle verboten werden, berichten einige Medien. Doch das Aus fürs Urlaubsfoto ist nur eine Ente.

Haben ein Recht am eigenen Bild: Badegäste am Strand Foto: Markus Scholz/dpa

HAMBURG taz | Was für ein Skandal: Das Ostseekurbad Boltenhagen will seinen Badegästen das Fotografieren verbieten. Das heißt: keine Strand-Selfies mehr, keine Urlaubsbilder für das Fotoalbum. Das schreiben zumindest die Lübecker Nachrichten und die Bild an diesem Wochenende. Doch es stellt sich heraus: alles Quatsch.

Grund für die Aufregung ist ein kleiner Aufkleber, der seit letzter Woche auf den Hinweisschildern am Strand des mecklenburgischen Kurorts angebracht ist. Er zeigt eine durchgestrichene Kamera. Die naheliegende Interpretation: Fotografieren ist hier verboten. So verstehen es auch Redakteure der Lübecker Nachrichten, die am vergangenen Freitag schreiben, Boltenhagen verhänge das erste „Foto-Verbot am Strand“. Hätten sie mal lieber bei der Kurverwaltung nachgefragt.

In einem Gespräch mit der taz streitet Katleen Herr, Boltenhagens Marketing-Verantwortliche, nun alles ab: „Wir sprechen kein Fotoverbot aus.“ Die Hinweisschilder seien bloß noch nicht vollständig. Zusätzlich zu der kleinen Kamera sei ein kurzer Hinweistext geplant, der Badegäste in drei Sprachen auffordert, andere Strandbesucher nicht gegen deren Willen zu fotografieren. Kein generelles Verbot also. Es habe nur Probleme mit der Übersetzung ins Arabische gegeben, deshalb wurden die Hinweise erst am Montagnachmittag hinzugefügt.

Die neuen Hinweisschilder gehen zurück auf eine Broschüre der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns. Das Faltblatt „Sicher Baden!“ richtet sich vor allem an Kinder und beinhaltet die wichtigsten Regeln für den Strand, unter anderem, dass das Fotografieren Fremder ohne deren Zustimmung nicht erlaubt ist. Tatsächlich gab es in der vergangenen Badesaison Beschwerden wegen indiskreten Fotografierens. „Diesen Hinweis wollten wir einfach nur für unseren Strand übernehmen, mehr nicht“, sagt Katleen Herr.

Lauter entsetzte Kurdirektoren

Die Lübecker Nachrichten heizen indes die Gerüchteküche an und zitieren Tourismus- und Kurdirektoren anderer Ostseebäder, die sich entsetzt zu dem vermeintlichen Komplett-Verbot äußern. „Wo endet das?“, fragt sich zum Beispiel Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff.

Am Montag dann springt die Bild auf den Skandalzug auf: Unter dem Titel „Foto-Verbot am Ostsee-Strand“ verkündet der Artikel nicht nur ein grundsätzliches Kameraverbot. Er weist sogar darauf hin, dass bei Verstoß „die Polizei anrücken“ solle.

Beide Zeitungen zitieren zudem Catrin Homp, Vertreterin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein. Sie möchte das „Foto-Verbot“ wohl auch in Schleswig-Holstein übernehmen: „Wir wollen uns mit der Landesregierung zusammensetzen und diskutieren, ob es auch bei uns Anlass für ein solches Verbot gibt.“

Der Tourismusverband rudert inzwischen zurück. Zumindest ist sich Frank Behrens, dessen stellvertretender Chef, nicht mehr so sicher: „Wir beteiligen uns nicht an den Spekulationen der Lübecker Nachrichten zu diesem Thema. Wir wissen um die Ereignisse in Boltenhagen und sind im Abstimmungsprozess, ob Handlungsbedarf besteht.“

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