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Verkümmernde Hirne

Neues vom bizarren Schaumwort „zunehmend“

Lange Jahre haben wir gegen den zunehmenden Gebrauch des Schaumworts „zunehmend“ gekämpft und den Kampf zunehmend aufgegeben. Denn das partizipiale Adjektiv wird inzwischen ohne jeden Sinn und Verstand eingesetzt. Zwar klingt es wertvoll und gediegen, aber seine ursprüngliche Bedeutung hat es längst verloren, sodass es immer wieder zu bizarren Konstruktionen kommt. Von der Wahrheit gesammelte Beispiele sind „Alte werden zunehmend abgehängt“ oder „Zunehmender Mangel an Bienen“ oder „Das Briefgeschäft bröckelt zunehmend“. Am Dienstag nun wurden unsere Wahrnehmungsorgane von einer weiteren formvollendeten Variante getroffen, als die Nachrichtenagentur dpa einen Kommentar der australischen Zeitung The Age zum vierten Jahrestag des russischen Kriegs gegen die Ukraine folgendermaßen übersetzte: „Russlands lebenswichtige Energieexporte verkümmern zunehmend …“ Zunehmend verkümmern – das soll doch bitte mal einer bei dpa vormachen. In der alten Trickkiste der Rhetorik nennt sich so etwas ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Das ist wie zunehmend abnehmen. Es funktioniert einfach nicht. Die offiziösen Schaumsprachensprecher schalten ihre Hirne zusehends nicht mehr ein.