Väter nutzen Elterngeld: Väter haben mehr Zeit als Geld

Jeder fünfte Berliner Vater legt eine Babypause ein. Das Elterngeld wirkt offenbar, dabei beziehen viele nur 300 Euro im Monat. Inzwischen gibt es auch mehr Angebote für Männer mit Kindern.

Zeit: das bieten Berliner Väter ihren Kindern Bild: AP

Sie belegen Crash-Kurse für die Geburtsvorbereitung, treffen sich zur Babymassage oder zum gemütlichen Papa-Brunch: Viele Väter wollen sich nicht nur an der Betreuung ihres Nachwuchses beteiligen, sondern sich auch darüber austauschen. Und so werden die Angebote in der Familienbildung, die sich speziell an Väter richten, langsam mehr. "Das ist eine berlinweite Entwicklung", sagt Marc Schulte vom Väterzentrum, das vor anderthalb Jahren in Prenzlauer Berg eröffnet hat. "Väter trauen sich inzwischen, als solche auch wahrgenommen zu werden und in Kontakt miteinander zu treten", bestätigt Michael Stiefel vom Familieninfotreff. Noch gebe es aber nach wie vor viel zu wenig Kurse und Treffpunkte für Männer mit Kindern.

Dass die Berliner Väter beim Nachwuchs besonders engagiert sind, zeigt auch die Statistik: Jeder Fünfte, der im Jahr 2007 ein Kind bekam, hat Elterngeld beantragt. Damit ist Berlin bundesweit Spitze, im deutschen Durchschnitt machte das nur jeder Siebte. Nun ist es nicht so, dass die Väter an der Spree schon immer aktiver waren als die Erzeuger in anderen Bundesländern. Beim alten Erziehungsgeld lag der Anteil der Bewilligungen für Väter im Jahr 2005 lediglich bei 2,5 Prozent.

Die Einführung des Elterngeldes hat die Männer hierzulande offenbar aus der Reserve gelockt. Anfang 2007 löste das Elterngeld das bisherige Erziehungsgeld ab. Berufstätige Mütter oder Väter erhalten ein Jahr lang 67 Prozent ihres bisherigen Nettoeinkommens. Die Obergrenze beträgt 1.800 Euro im Monat, der Mindestsatz 300 Euro pro Monat. Bleibt auch der Partner zu Hause, kann die Bezugsdauer der Leistung um zwei Monate verlängert werden.

Nach Informationen des sozialwissenschaftlichen Instituts Sowitra, das derzeit am neuen Familienbericht des Landes arbeitet, beziehen nicht nur besonders viele Berliner Väter das neue Elterngeld. Sie bringen auch mehr Zeit mit als andere: Fast die Hälfte der Männer, die die Leistung beantragten, nahmen mehr als zwei Monate Auszeit. Jeder Fünfte blieb sogar ein ganzes Jahr zu Hause.

Das Geld allein kann bei vielen nicht den Ausschlag für die Babypause gegeben haben. Ein Drittel der Berliner Väter bekam den Mindestsatz von 300 Euro pro Monat, berichtet Stefan Reuyß vom Sowitra-Institut. "Das lässt sich damit erklären, dass viele vor der Elternzeit nicht erwerbstätig waren." Bundesweit erhielt nur jeder fünfte Elterngeldbezieher den Mindestsatz. Auch die Zahl der Besserverdienenden liegt in Berlin unter dem Schnitt: 33 Prozent der Berliner Papas habe ein Elterngeld von 1.000 Euro oder mehr bezogen, so Reuyß. Deutschlandweit waren es 46 Prozent.

Die Berliner Väter sind insgesamt also relativ arm, aber aktiv. "Das Engagement wird in der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen", kritisiert Stiefel vom Familieninfotreff. Zwar richteten sich viele Angebote an beide Elternteile. "Aber als Mann ist man in einer Runde von Müttern nicht unbedingt erwünscht", so seine Erfahrung. Auch Schulte vom Väterzentrum sagt: "Die Familienbildung ist insgesamt auf Mütter ausgelegt." Viele Väter fühlten sich nicht angesprochen. Doch das ändere sich nun langsam. "Das Interesse wächst von Monat zu Monat."

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